Tropea

Italiens St. Tropez, Sehnsuchts-Reiseziel vieler Italiener, ist für uns Absprungsort, um in die Äolische Inselwelt einzutauchen.

Der Stromboli ist nur noch 60 km entfernt und in einer Tagesetappe zu erreichen, seine Silhouette ist schon gut am Horizont zu erkennen.

Der rauchende Stromboli am Horizont

Vom Übernachtungsankerplatz Amantea, irgendwo im Nirgendwo an der langen Westküste des Stiefels ganz unten haben wir noch einen Marina-Aufenthalt in Vigo Valentia geplant, nicht so „mondän“ wie Tropea und mit erschwinglichen Hafengebühren. Nach rolligen Ankerplätzen wollen wir mal wieder durchschlafen, vor allem aber Proviant bunkern. Nachdem wir in den Nachrichten vom Unwetter in Palermo gelesen haben, prüfen wir die Wetterprognosen um so sorgfältiger. Sieht soweit gut aus, doch wir sollten an der ungeschützten Küste nicht unnötig herumtrödeln. Der Segeltag startet mit der üblichen Routine, schon um 9.00 Uhr haben wir 30 Grad. Der Himmel ist blau, am Horizont ziehen Wolkenformationen vorbei. Doch dann stockt uns der Atem – da ragt doch wirklich aus einem Wolkenhaufen ein Rüssel heraus, berührt die Meeresoberfäche und scheint es leer zu saugen.

Mit dem Fernglas erkennt man den Wasserwirbel – wie weit sind wir wohl entfernt? In welche Richtung zieht das Gebilde? Noch scheint über uns die Sonne – minutenlang bleibt der Möchtegernhurrikan sichtbar, wird zwischendurch sogar dicker. Ein Blick übers Schiff – ist alles fest verzurrt – was tun, wenn der uns erwischt? Gebannt beobachten wir das unerwünschte Objekt. Nach einer gefühlten viertel Stunde verliert der Rüssel den Kontakt zur Oberfläche und löst sich auf. Kurz darauf schmeisst die fette Wolke alles Wasser wieder raus, es regnet wolkenbruchartig im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind in sicherer Beobachterdistanz, über uns scheint noch immer die Sonne. Puhh – noch mal gut gegangen! Kurz drauf werden wir und später auch Unisax über Funk von der Küstenwache Vibo Valentia gerufen – sie fragen, ob bei uns alles in Ordnung sei. Sie hätten einen Anruf erhalten, dass von unseren Booten helle Lichtblitze zu beobachten waren. (Wir vermuten, Sonnenreflexionen von den Fenstern.) Vielen Dank für die Fürsorge, gut zu wissen, dass man uns im Blick hat. Wir sind nun hellwach, von Routine keine Spur mehr. Das schöne Blaugrün des Meeres ist mit viel Abfall/Treibgut durchsetzt, wir halten Ausschau nach nicht markierten Fischerbojen (2-3 einfache alte Plastikflaschen mit Ankerleine dran). Aus dem Augenwinkel sieht die Skipperin ein Seilknäul acherteraus ziehen – sofort Maschine stopp – Funkruf zur Unisax. Mit dem Bootshaken fummeln wir das Knäul unter dem Boot heraus – vermutlich hat der untergebaute Marino-Bugstrahler die Leinen eingefangen.

Zum Glück ist nichts in den Propeller gerauscht, dann wäre tauchen angesagt. Aller guten Dinge sind drei – wenn das kein Grund zum Feiern ist – abends wird zusammen mit Ewa und Anders auf Columbia angegrillt – das haben wir uns verdient. Am nächsten Morgen geht’s in den Hafen, zum ersten Mal in diesem Jahr bei Regen!! Der verzieht sich bald wieder und die Gluthitze eines Hafens setzt unmittelbar ein. Schattensegel spannen – Siesta machen, dann noch den Kühlschrank enteisen, denn der läuft zur Zeit ununterbrochen, einkaufen ist erst nach 18 Uhr möglich. Neugierig auf Tropea machen wir uns am nächsten Tag mit dem Zug auf den Weg, Ewa hat alles ausgetüftelt und die Tickets online gekauft. Der Zug ist voll klimatisiert und desinfiziert, nur jeder 2. Platz darf besetzt werden, alle Reisenden mit Maske – Corona ist noch da!!

Im Zug nach Tropea

Tropea ist ein hübscher Badeort in phantastischer Lage, die vielen Restaurants und Souvenirläden lassen auf Menschenmassen in Vor-Corona-Zeiten schließen, die sich durch die Gassen schieben.

Heute am Sonntag befürchteten wir viel Gedränge, weil die Italiener dann gern mit der Familie essen gehen. Doch nichts dergleichen – im Restaurant sitzen wir allein. Es ist schon traurig.

Wir schlendern durch den Ort und finden neben wundervollen Fotomotiven auch den nächsten Ankerplatz. Pflichtmitbringsel aus Tropea sind rote Zwiebeln, gibt es nur hier, die halten sich an Bord auch ohne Kühlschrank, alles andere Gemüse gammelt ohne Kühlung spätestens nach 2-3 Tagen.

Heimlich still und leise haben wir in Vigo Valentia noch einen ganz besonderen Festtag begangen, wir sind seit 3 Jahren unterwegs. Unser Fotoarchiv ist proppevoll – es macht Spaß, selbst mal im eigenen Blog zu stöbern – weißt du noch? – tausend und eine Erinnerung kommen hoch. Wir sind froh, dass wir alles aufgeschrieben haben. Denn der Stoff für die nächsten Tausend ist schon in Arbeit. Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns über eure Rückmeldungen und ja, wir sind neugierig und ihr wahrscheinlich auch – denn hinterm Horizont geht’s weiter. (Hat schon Udo Lindenberg gesungen.)

2 Comments

  1. Henrik

    Hallo in den Süden,

    es stimmt, ein Blick zurück lohnt sich ab und zu. Vor drei Jahren seid ihr noch im Nord-Ostsee-Kanal herumgeschippert. Es hat sich gelohnt. Brunsbüttel hat doch einen anderen Klang als Palermo, nicht wahr? 🙂

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