Cilento

Nach dem Besuch der „schönsten“ und berühmtesten Plätze Italiens setzen wir unseren Kurs Richtung Süden, für uns eine Reise ins Unbekannte. Über Italiens Süden haben wir einiges gelesen, TV- Berichte geschaut und im Internet recherchiert, unsere Erwartungshaltung geht in Richtung: dünn besiedelt, flach, rückständig, arm.  Wir machen uns also auf Entdeckungsreise. Unseren ersten Stopp nach der Amalfiküste  machen wir in Agropoli. 

Agropoli

Inzwischen haben wir 12 Tage hintereinander geankert und wir lechzen danach mal wieder in einem Hafen zu sein, mit Landgang so oft man will, wieder mal in einem Restaurant essen, einer schönen Dusche mit Wasser ohne Ende, ein ruhiger Liegeplatz ohne Schwell, Wäsche in einer Waschmaschine waschen… von so Kleinigkeiten wie den Müll los werden und in einem klimatisierten Supermarkt ganz langsam einkaufen, mal abgesehen. Eigentlich müsste laut Kalender die Hochsaison gestartet sein, doch wir finden in der Marina ohne Reservierung sofort zwei Liegeplätze zu einem akzeptablen Preis. Nach dem Anlegen verkonsumieren wir mit einem kalten Bier erst mal, was der Kühlschrank noch so hergibt. Auf einem ersten Rundgang in den mit 20.000 Einwohnern größten Ort der Region spazieren wir durch eine gemütliche Innenstadt mit Läden, Friseursalons, Restaurants, Bäcker, Supermarkt klein und groß, alles ist sehr sauber, überall wirkt gewerkelt, gebaut, gemalt. Es ist wenig los, in den Geschäften wird Maske getragen, von hektischer Betriebsamkeit keine Spur. Weil Montag ist, gestaltet sich die Suche nach einem Ristorante als schwierig, montags ist immer alles zu. Also wird noch mal die Bordküche bemüht, da wir nun Landstrom haben, ist auch wieder Komfortkochen mit Induktionsplatte und Wasserkocher möglich. Was gibt es denn auf die Gabel? Pasta!! Haben wir immer reichlich an Bord, auch wenn der Skipper daran zweifelt. Der nächste Tag ist mit Großeinkauf, Wäsche machen verplant, dann ist Sightseeing und Restaurantbesuch dran. Es ist irre heiß im Hafen und schon freuen wir uns wieder auf luftige Ankerplätze.

Columbia zieht ihre Bahn durchs tiefblaue Wasser, entlang einer unerwartet schönen Küstenlandschaft: Gebirgszüge, die in den Alpen stehen könnten, schroffe Felsabschnitte mit Grotten und Höhlen vor grünen Bergen, deren Gipfel in Wolken stecken. Wir sind hin und weg. Das hier ist der Nationalpark Cilento und bietet für Naturliebhaber und Wanderfreaks, was das Herz begehrt. Südlich schließen sich das „Riserva Valle del Fiume Argento“ mit Wasserfällen und abgeschiedenen Tälern an, und ins Landesinnere der Nationalpark Pollino, der größte Italiens, dort leben noch Bären und Steinadler. Habt ihr nicht gewusst? Wir auch nicht! Da wir auch immer wieder ein Stück Küstenstraße sehen, meint der Skipper, das wäre doch für „Moped-Wemser“ das Paradies, als wir auch schon eine Kolonne Tourenfahrer mit ihrem typischen Brrrrrm am Hang verfolgen. 

Zuerst haben wir gedacht, bei dem gerade Küstenverlauf, müssten wir stets in Häfen übernachten, doch weit gefehlt – bei näherer Betrachtung tun sich unzählige kleine Buchten mit mehr oder weniger gutem Windschutz auf.

Da im Moment wenig Wind bläst, finden wir passende Ankerplätze, meist nicht so einsam, wie vermutet. (Unser Haken fällt: am Strand von Pioppi, neben der Marina di Camerota, hinter der Isola Dino, neben und in Marina di Cetraro, es folgen noch der Strand von Amantea und schließlich Tropea, von wo aus wir zum Stromboli rüber machen werden.)

Die Italiener haben ihre Küste gut organisiert, jeder Strandabschnitt ist mit Sonnenschirmen und Liegestühlen akkurat bestückt. Die verschiedenen Farben der Schirme zeigen, welcher Betreiber zuständig ist, zum Teil zu Hotels gehörig, meist jedoch sind es kleine Familienbetriebe, überall muss man Eintritt bezahlen, hat dann aber Zugang zu Dusche und Toilette, einer kleine Imbissbude, mit Tretbootverleih und Musikberieselung (zur Freude vom Jungvolk wird manchmal gleich die ganze Bucht beschallt.) Hier kommt es in der kleinen Bucht im Schutz der Isola Dino zu einer positiven Überraschung der ganz besonderen Art.

Gerade als wir uns gemütlich zurücklehnen wollen, um den Tag ausklingen zu lassen, kommt es in der Strand-Disco zum Sound Check. Wir erwarten nun Bass-Gewummer und „Musik“ so als wenn ein Glascontainer ausgeschüttet wird, nicht schön aber laut und überlegen schon wohin sollen wir umankern, um Ruhe zu haben? Da legt doch der unbekannte DJ eine CD von den „Dire Straits“ auf und Mark Knopfler spielt im Sonnenuntergang an der E-Gitarre „Sultans of Swing“, wir sind sprachlos und haben mit allem gerechnet aber nicht damit. Selbstverständlich bleiben wir hier und genießen den Abend mit allerbester Musik. Hier verbringen überwiegend Einheimische ihr Wochenende, doch viele Plätze bleiben leer, von Massentourismus keine Spur. Hier in unserer Bucht sind alle in guter Stimmung – ein Trupp Jungs ruft – „Hallo Columbia – bellissima barca“ – es wird gelacht und herumgealbert – Ferienstimmung. Ab 20.00 Uhr ist alles vorbei, wie auf Kommando sind die Sonnenschirme plötzlich alle zugeklappt, die Tretboote liegen am Strand und zuletzt macht der DJ die Musik aus. Langsam driften die Boote um ihre Kette, die Crews sitzen im Cockpit und genießen die Abendkühle.

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