Sevilla

die Schöne. Mit dem Linienbus von Lagos nach Sevilla, eine bequeme fünf Stunden Reise mit zwei zwanzig Minuten Pausen je an einem Kaffee-Kiosk, in einem fast leeren Bus mit allem Komfort, Ledersitze, Klima und WiFi, sehr angenehm und besser als mit dem Mietwagen – das ganze für gerade mal 71 Euro für uns zwei, hin und zurück, da kann man nicht meckern. Nervig ist lediglich der ergiebige Landregen, mit dem uns Sevilla empfängt. Unser Hotel „Las Casas de los Mercadores“ (klingt schon so klassisch spanisch) liegt in der verkehrsberuhigten Altstadt, ein Gewirr aus Gassen, Fußgängerzonen, gesperrten Straßen, Einbahnstraßen und Baustellen, ohne öffentliche Parkplätze – mit dem Auto wäre das Stress pur geworden.

Auf dem Weg vom Busbahnhof zu unserem Domizil haben wir gleich einen prickelnden Vorgeschmack auf die Orientierung in dem Straßenlabyrinth bekommen, auch einige Millimeter Schuhsohle später haben wir unser Hotel meist nur mit GoogleMap und dem Handy in Vorhalte wiedergefunden. Schon bei einem ersten Bummel gerät die Skipperin schier aus dem Häuschen: Spezialisten in den kleinsten Geschäften, Handschuhmacher, Hutläden, Brautmode,  Flamencokleidershops satt, Zubehörläden für Tänzerinnen und Toreros, Knopfläden, Läden nur für Herrenbinder, sogar ein Posamentenmacher (mit live-act) ist dabei. Sie kann sich nicht sattsehen.

Der Skipper hat ganz andere Erwartungen und wird ebenfalls nicht enttäuscht. Seit geraumer Zeit muss er feststellen, dass die Erschwernisse der christlichen Seefahrt ihren Tribut fordern. Zuletzt giert er sogar nach einer Lochzange, da seine Gürtel am Anschlag sind. Ich will nicht sagen nur noch „Skin und Bones“ aber viel fehlt nicht, dann braucht er im Sommer Hosenträger für die Badehose. Insofern kommt unser Abstecher nach Sevilla, also nach Spanien mit unseren geliebten Tapas gerade recht, um mit einer kleinen Kalorienkur etwas fürs Gewicht zu tun. Wir werden nicht enttäuscht, lecker, lecker, lecker und zudem noch gewürzt, was Speisen in Portugal nun mal nicht sind.

In drei Tagen können wir uns natürlich nur einen oberflächlichen Eindruck verschaffen, zu vielfältig ist das pralle Leben und das kulturelle Angebot. Die offiziellen Sehenswürdigkeiten der Stadt wie La Catedral mit La Giralda, der Real Alcazar, Torre del Oro, die Museen … sind dicht beieinander, ätzend sind die zeitweilig sehr langen Warteschlangen. Wir finden dann immer eine Alternative. Reisegruppen in einheitlichen blauen, gelben oder roten Regencapes mit dem schildchentragenden Führer voraus schrecken uns eher ab, als das wir da mitmachen wollten. (Manche vermeintliche Schulklasse entpuppt sich bei näherem Hinschauen als Reisegruppe aus Japan.) Wir haben bei unseren kleinen Touren zwar immer ein Ziel im Visier, doch die verlockenden Gässchen lassen uns meist woanders landen, oftmals gibt es dort auch Tapas und ein Glas Wein.

Sevilla gefällt uns sehr gut, die Altertümer werden gepflegt, die Stadt hat Geld, offensichtlich wird die traditionelle spanische Kultur auch von den jungen Leuten hoch gehalten. In der kommenden Woche wird in Sevilla die „Feria de Abril“ gefeiert, ein Riesenvolksfest mit einer Million Besucher, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, überall begegnen uns Accessoires aus dem Flamenco. Viele Mädchen und Frauen tragen Blumen in der Hochsteckfrisur, roter Stoff mit weißen oder schwarzen Tupfen wird nicht nur als Flamencokleid getragen.

Flamenco auf der Straße – Leidenschaft pur

Auf der Plaza de Espana geraten wir zufällig in die Kutschen-Parade, die zum Start der Festwoche abgehalten wird. Bei strahlendem Sonnenschein bewundern wir auf dem riesigen Platz zahllose Gespanne, die von wunderschönen Pferden gezogen werden; die Besatzung/Passagiere sind sehr elegant gekleidet – die Herren im Frack mit Zylinder, die Damen mit großen Hüten, da steckt richtig Geld hinter.

Wundervolles Gespann – anders fotografiert

Leider endet unser Aufenthalt, bevor die Feria richtig losgeht. So wird uns das große Volksfest entgehen, das haben wir bei unser spontanen Reiseplanung nicht gewusst. Aber auch so fahren wir voll bis oben hin mit Reiseimpressionen nach Lagos zurück. Wir sind uns einig, dass es sich wirklich gelohnt hat hierher zukommen und wenn es sich ergibt, werden wir unseren Besuch gerne wiederholen.

2 Comments

  1. Renate&Andy

    Ich war schon in Warteposition auf den Bericht über den Sevilla-Ausflug! Herrliche Vielfalt in Wort und Bild! Und Freude mit Euch für den Stadtempfangswechsel von grau auf blau!! Vielleicht wäre der Skipper mit Frau unterm Schirm sonst noch in den engen Gässchen hängen geblieben!! Dann doch lieber wieder mit Skipperin (unterm) im Arm nach sonnigen Sevilla-Eindrücken fröhlich im jetzigen Heimathafen Lagos „einlaufen“, um demnächst „unter vollem Segel“ in neue Gefilde auslaufen zu können!!
    Mich hat der von Euch in dieser Stadt entdeckte Beruf des Posamentenmachers inspiriert, mal nachzulesen. Es gibt in D noch ein paar wenige von ihnen, in „Neudeutsch“ Produktionsmechaniker Textil genannt. Ob jemand durch euren Blog eine Idee für ’ne echt handwerkliche Ausbildung bekommt!?
    Renate&Andy

  2. Jule

    Hallo, Oma und Opa, ich würde auch gerne mal mit einer Kutsche fahren.🐴 Aber leider bin ich noch nie damit gefahren. Aber wenn ihr das mal machen wollt, dann müsst ihr aber auch auf den Autoverkehr achten.🚗Und noch etwas: ein ganzer Laden voller Kleider, das ist ja wohl toll!!! Bis bald eure JULE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.