Noch mehr Berge

Wofür doch schlechtes Wetter gut sein kann, sagen wir uns heute, nachdem wir mit dem Mietwagen drei Tage lang im bergigen Hinterland der Algarve unterwegs waren. Wir sind uns sicher, dass uns vieles sonst entgangen wäre. Beim Kaffee hier in einem Marina-Café ist der Skipper auf einen Fernsehbericht aufmerksam geworden. Die Fernseher hängen hier in jedem Lokal an der Wand und scheinen keinen Ausschaltknopf zu besitzen. Jedenfalls ist anhand von Grafiken und Bildbeiträgen über „das“ portugiesische Aufforstungsprojekt schlechthin berichtet worden, wodurch die vorhandene Waldfläche mehr als verdoppelt werden soll, in einigen Regionen auf bis zu 150%. Wir haben uns kurz angeschaut, den Mietwagen haben wir noch für zwei Tage, der Himmel ist bewölkt, also kein Strandwetter – das schauen wir uns an. Wir sind ca. 50 km von Lagos nach Norden gefahren und von der Westküste durch das Hinterland nach Faro, insgesamt 450 km.

Badebucht an der Westküste

Für Autofahrer, die Serpentinen lieben, sind diese Strecken die Erfüllung schlechthin. Wir sind an das Voralpenland und die Deutsche Bergstraße erinnert worden, teilweise sogar an die alte Großglockner Hochalpenstraße: Serpentinen satt, keine Fahrbahnmarkierungen, keine Leitplanken, keine Verbote, keine Geschwindigkeitsbegrenzungen, keine Blitzanlagen nichts – nur Du und dein Auto, die Straßen für den Mann. Hier darf der Fahrer noch selbst Entscheidungen treffen, dabei muss er die Straße gut im Blick haben, plötzliche Schlaglöcher oder Verwerfungen lassen das Auto kurzfristig abheben.

Allein in der Wildnis
Straßenschäden

Der Skipper hat jeden einzelnen Meter davon genossen und die Skipperin vor jeder Kurve mit gebremst.

 

 

Uns sind auf einigen Streckenabschnitten keinerlei Fahrzeuge begegnet, in vielen Tälern ist das Handy tot, auch das Navi! Man sollte sich hier nicht verfahren oder gar wegwerfen, bis hier Hilfe kommt kann es dauern. So müssen sich Motorradfahrer das Paradies vorstellen, nur scheint es nicht bekannt zu sein, denn getroffen haben wir keinen. 

Die Aufforstung schreitet flächendeckend voran, auch an den steilsten und abgelegensten Berghängen. Zunächst wird der Wildwuchs aus Brombeeren u.ä. entfernt, werden Zufahrtswege angelegt und dann mit Eukalyptus, Pinien und Korkeichen bepflanzt. Die Korkeichenwälder werden bewirtschaftet, d.h. die Bäume werden regelmäßig geschält.

Einödhof – irgendwo im Nirgendwo – hier war und ist das Leben nicht leicht

Zusätzlich ist eine Vielzahl von Wanderwegen angelegt worden, die dem Rucksackträger jedoch Kondition und Kraft abverlangen, denn hier gibt es nicht alle halbe Stunde eine bewirtschaftete Alm oder Jausenstation, in die man einkehren kann. Ein entkräftetes italienisches Wanderpaar haben wir unterwegs aufgenommen und im nächsten Dorf mit Busanschluss wieder abgesetzt.

Heute sind die Außenaktivitäten nur etwas für Hartgesottene, es stürmt und regnet von Feinsten, auch an den nächsten Tagen Aprilwetter.
Also neuer Plan – wir fahren für drei Tage mit dem Fernbus nach Sevilla.

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