Schön eingeweht

Als wir zu unserem Törn nach Lagos aufbrachen, war klar, dass uns ein max. Wetterfenster von 3-4 Tagen offen stehen wird, bevor sich Starkwind oder Sturm einstellen. Tief Emma breitete sich von den Azoren mächtig aus. Dies war einer der Gründe für unsere Entscheidung, die Etappe ohne Pause durchzusegeln. Im Nachhinein betrachtet war diese Entscheidung richtig. Als Folge des Zusammenbruchs der Höhenströmung über dem Nordpol ist es zu dem extremen Kälteeinbruch u.a. in Deutschland gekommen, haben plötzlich auch die Tiefs vom Atlantik her eine andere Zugbahn genommen und zu starkem Sturm mit Orkanstärke auf Madeira und den Kanaren gesorgt sowie zum weitgehenden Zusammenbruchs des NE Passats geführt. Die S-SW-Stürme und hohe Wellen treffen mit voller Wucht auf die Westküste von Spanien und die West- und Südküste von Portugal. Seit Dienstag gibt es täglich Heavy Waves und Gale Warnungen. (www.ipma.pt) Seit Tagen sind der Hafen Lagos (und die meisten anderen portugiesischen Häfen) gesperrt, keiner kann raus, keiner rein. Für uns unproblematisch, nicht so für die Fischer die herbe finanzielle Einbußen erleiden, da auch sie den Hafen nicht verlassen dürfen/können.

Festliegende Fischereiflotte in Lagos – selbst Pioneiro und Rambo dürfen nicht raus

An der Hafeneinfahrt bietet sich ein spektakuläres Bild. Die Molenköpfe sind wie üblich rot und grün gekennzeichnet und hier in Form von Schiffsschornsteinen gestaltet. Auch diese werden zur Zeit überspült. Die Barre ist unpassierbar. Die Gullydeckel an der Promenade hüpfen durch den starken Druck vom Meer aus ihrer Einfassung. Das Aus- oder Einlaufen ist nicht nur verboten, sondern schlechterdings unmöglich.

Die einzigen die sich über die hohen Wellen freuen sind die Wellenreiter, die in großer Schar im Wasser auf „die Welle“ warten. Wir halten das für gefährlich, können es letztendlich aber nicht beurteilen, Wellenreiten ist nicht unser Ding. In den Medien wird von starken Schäden an der Küste Portugals und an Hafenanlagen wie in Portimao oder Faro aber auch in Gibraltar und an den darin vertäuten Yachten und Schiffen berichtet. Wir sind hier im Hafen sicher, da sich die einlaufenden Wellen in der Barre und in der langen Marina-Zufahrt totlaufen. Die Häuser ringsum bremsen den Starkwind. Anders als bei Sturmlagen an der Ostsee kommt hier immer wieder die Sonne raus, mit 17 Grad ist es angenehm warm. Wir nutzen die Zeit für die Erkundung von Lagos und der Umgebung. Am Donnerstag haben wir mit dem Linienbus einen Ausflug nach Sagres und zum Cabo Sao Vicente unternommen und uns ein Bild von den wirklich gewaltigen Brandungswellen gemacht, inkl. ausnahmsweise einem sehr leckerem Mittagessen vor unglaublicher Kulisse.

Das Cabo Sao Vicente ist ja nicht nur das Ende der bekannten Welt, sondern auch bekannt für die letzte Würstchenbude vor Amerika, so haben wir es einmal in einer Fernsehdokumentation gesehen. Ja, die Bude steht da, war leider geschlossen- der Skipper hatte ich schon sooo gefreut. Nicht zu glauben, vermutlich wegen „Reichtums“ geschlossen. Wie immer ist der Weg das Ziel, die Fahrt mit dem Bus hat tolle Blickwinkel auf Land und Leute geboten. Schließlich finden hier in Lagos allerlei Trödel- und Bauernmärkte statt, die immer einen Besuch wert sind.

Wir sind mit offenen Augen unterwegs und saugen alle Eindrücke in uns auf. Der Starkwind und Sturm soll uns noch mindestens eine Woche erhalten bleiben. Danach planen wir weiter.

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