Frühling in der Algarve

Wieder mal sind wir mit Bus und Bahn unterwegs, um die Umgebung zu erkunden, denn das Alltagsleben weicht doch in vielen Bereichen stark vom gewohnten Perfektionismus in Deutschland ab.

Der Durchzug ungewöhnlich heftiger Stürme namens Emma und Felix hat einerseits mit starken Regenfällen die Stauseen gut gefüllt. Aber andererseits haben viele Menschen durch die ungewöhnlich heftigen Stürme alles verloren, wie die Gemüsebauern im Hinterland, denen der Sturm die ausgedehnten Foliendächer der Gewächshäuser zerrupft hat. Die starke Brandung hat hier am Strand eine Portugiesische Galeere angespült und erinnert daran, dass hier der offene Atlantik anlandet.

Portugiesische Galeere (Lokaler Pressebericht)

Diese Quallenart sieht zwar wunderschön aus mit ihrem gasgefüllten Segel, sie kann mit ihrem Gift in den Tentakeln für geschwächte Personen oder Kinder beim Kontakt aber durchaus tödlich sein. Seitdem macht die Policia Maritima täglich am Strand Patrouillenfahrten, um eventuell weitere angespülte Quallen zu beseitigen. Nächste Woche soll sich wieder ein Azorenhoch bilden und weil die Windsysteme dann wieder in der bekannten Stärke und der üblichen Richtung wehen, denken wir an die Weiterreise. Bei allen Wetterkapriolen ist es nicht zu leugnen, der Frühling setzt sich mehr und mehr durch, morgens werden wir im Boot durch das Klappern der Störche geweckt, die nun hier in großer Zahl nisten. Gestern sind wir auf der Busfahrt nach Portimao an einem Apfelsinenhain vorbeigefahren, der mit auf den Stock gesetzten Weiden umgrenzt war. Auf jeder Weide hatte sich ein Storchenpaar ihr Nest gebaut. (grob geschätzt ca. 20 Nester) Im Hinterland zwischen Lagos und Portimao sind weitläufige Überflutungs- und Sumpfgebiete, die den großen Tieren wohl ausreichend Nahrung bieten. Selbst auf dem Kirchendach mitten in Portimao haben die Vögel ein Nest errichtet und die Fußgängerzone als Anflugschneise auserkoren.

Kirche in Portimao mit Storchennest

Hier in Lagos trifft mehr und mehr junges, fahrendes Volk ein, dass sich mit ihren Wohnmobilen hinter den Dünen einrichtet. Nach unseren Beobachtungen ist ganz Europa vertreten, üblicherweise sind die Leute im Twenalter, es überwiegen Rastafrisuren und Pumphosen. Beim Abendspaziergang hört man Gitarrenmusik.

Ein einsamer Barde mit Gitarre

Zwischen den Dünen herrscht irgendwie ein fröhliches Open Air Konzert Flair. Sind die Dünenbewohner jung, so gilt das nicht für ihren Fuhrpark. Der in unserer Jugend mit der altbekannten Flower-Power Bewegung rund um Janis Joplin und Jimi Hendrix geltende Spruch „Traue keinem über 30“ wird hier abgewandelt gültig, traue keinem Auto unter 30. So zwischen 30 und 40 Jahren und damit locker doppelt so alt wie die Insassen dürfte das durchschnittliche Alter der rollenden Behausungen sein. Vermutlich kein Vergnügen mit so einer Gehhilfe von Deutschland bis in die Algarve zu fahren. Man sieht alles, vom kreativen Selbstbau, Möbelwagenumbau, ehemaligen Pferdetransporter, ausrangiertem Linienbus bis hin zu alten Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen, meist sehr individuell und zum Teil sehr liebevoll umgebaut, Surfbrett drauf, Gitarre auf’n Ast und ab geht’s – irgendwie toll.

 

One Comment

  1. Sonja Wahle

    So ein bisschen Frühling täte uns auch grad gut …. genießt es 😊! Danke für die schönen Bilder … da fühlt man den Frühling zumindest schon ein bisschen näher kommen 🌞🌞🌞

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