Resto a Casa

– ich bleibe zu Hause. Das ist das Motto, das die Italienische Regierung herausgegeben hat. Doch der Reihe nach. Nach unserer kurzen Stippvisite in Deutschland anlässlich eines runden Geburtstags, haben wir uns die Besichtigung der restlichen Sehenswürdigkeiten Roms vorgenommen. Die Zeit im frühen Frühjahr ist ideal, weil die massiven Touristenströme erst später einsetzen. Doch dann kommt es anders, als wir es uns jemals vorgestellt haben. Der Coronavirus breitet sich aus. Norditalien, durch das wir Mitte Februar noch durchgereist sind!! wird Zentrum der Ausbreitung. Dann nimmt die Bedrohung laut der Berichterstattung ungeahnte Ausmaße an, norditalienische Provinzen werden zu Sperrzonen erklärt – keiner darf raus- keiner darf rein, eine recht drastische Maßnahme, denken wir. In der vergangenen Woche haben wir uns noch gefreut, dass wir die Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle ohne jede Vorabbuchung und ohne jede Warteschlange besichtigen konnten.

Wobei die Situation mittags in einer kleinen Trattoria schon sehr befremdlich war, wir waren neben einem anderen Paar die einzigen Gäste. Der deutsch sprechende Wirt beklagte den dramatischen Rückgang der Besucher um 60%. Doch Rom ist so schön leer, wir haben sogar die Vögel singen hören, und gleich haben wir Pläne für weitere Touren gemacht. Doch zwei Tage später gibt es dann die erste Hiobsbotschaft: alle Schulen und Universitäten werden geschlossen – einen Tag später Nummer zwei: Schluss für alle Museen, Großveranstaltungen und Sehenswürdigkeiten bis zum 3. April, auch alle großen Kirchen und sogar der Petersdom, Papa Francesco überträgt die Audienz aus seiner Bibliothek. Wir sind froh so kurz vor knapp die vatikanischen Museen noch besichtigt zu haben. Doch der Virus bleibt von den Maßnahmen unbeeindruckt und breitet sich weiter sehr aktiv aus. Es gibt prozentual mehr Todesfälle zu beklagen als in anderen Ländern, keiner weiß warum. Unsere Freude über ein leeres Rom bleibt uns kurz drauf im Hals stecken: die italienische Regierung erklärt ganz Italien zur Schutzzone, gleichzeitig sollen alle Restaurants und Bars als zentrale Treffpunkte der Menschen und somit Tauschbörse für Viren ab 18.00 Uhr geschlossen werden. Naja denken wir, es könnte schlimmer kommen. Und – es kommt schlimmer. Seit Dienstag sind alle Restaurants, Bars sowie ALLE Geschäfte, Friseur- und Kosmetiksalons, Boutiquen, Fitnessstudios …geschlossen! Lediglich Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte, Waschsalons, Apotheken, Drogerien und Kioske bleiben geöffnet, um Hamsterkäufe zu verhindern. Die Menschen dürfen nicht mehr reisen. Jeder, der seinen Wohnort verlässt muss ein Zertifikat mit sich führen, das einen Nachweis für die Wichtigkeit seiner Unternehmung beinhaltet, das betrifft auch Fußgänger. Die Polizei macht Stichproben und es drohen Geldstrafen. Der Appell an alle heißt: Resto a casa bis zum 25 März. Nun ist unsere Marina wie ausgestorben, ab 18 Uhr gespenstisch leer. Der Himmel ist auch leer, gelegentlich ein Flugzeug im Gegensatz zum zeitweisen 30 Sekundentakt der startenden und landenden Maschinen in der Hochsaison.

Heute sind wir zum Einkaufen gegangen (darf man ohne Zertifikat): du stellst dich an der Schlange vor dem Laden an, angesagter Mindestabstand 1m, am Eingang des Ladens steht ein Einweiser mit Mundschutz und Gummihandschuhen und lässt kleine Gruppen von 4-6 Leuten herein. An der Brottheke hälst du einen Meter Abstand zu den Auslagen und bekommst das Gewünschte auf die Theke gelegt, alle Mitarbeiter tragen Mundschutz und Handschuhe. Das Transportband an der Kasse wird nach jedem Kunden desinfiziert. Der Einkauf gestaltet sich zum Event, jetzt bloß nichts vergessen, sonst steht du gleich wieder in der Schlange. Morgen haben wir uns mit unseren schwedischen Freunden zum WAO (We Are Optimistic)-Meeting auf dem Sundeck von Columbia verabredet. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, wir sind gesund und warten einfach ab. Columbia steht mit Italien unter Quarantäne.

Einkaufen ohne Zertifikat ist erlaubt

Die Italiener überraschen uns mit ihrer gelassenen Haltung – sie fügen sich engagiert in die Notwendigkeit der Isolation. Das gewohnte positive Lebensgefühl der Menschen ist jedoch bis in Mark getroffen, kein Händeschütteln, kein Küsschen rechts und links zu Begrüßung, kein gemütlicher Treff zum Caffè, kein geselliger Abend mit Freunden im Restaurant, es ist bedrückend ruhig. Jetzt müssen sie und wir noch 12 Tage durchhalten, das wird hart. Einziger Vorteil, die Kriminalitätsrate geht drastisch zurück, bei leeren Straßen fallen die bösen Buben sofort auf und werden eingesperrt (laut Bericht in der Lokalpresse) Der wirtschaftliche Kollaps steht erst noch bevor. Wie die vielen kleinen Handwerks- und Familienbetriebe den Verdienstausfall kompensieren wollen, weiß keiner, das wird für viele existenzbedrohend. Diejenigen, die ihrer Arbeit nachgehen, wissen nicht wie sie die Kinderbetreuung organisieren sollen, denn die Kinder bei Oma und Opa parken, scheidet aus, da die zu der besonders gefährdeten Personengruppe zählen. Wir sind, ob wir wollen oder nicht hautnah dabei und mittendrin und werden berichten. 

4 Comments

  1. Monika

    Ja…….nun ebenso bei uns, wohl dem der einen Garten hat, oder auf dem Boot sitzen kann…… !! ich bin, noch , relaxt auf meiner Terrasse und denke was sein muss muss sein zum Wohle Aller. !! Wir halten die Ohren steif !
    saludos nach Rom, hier ist es genau so leer und ruhig, selbst am Strand macht die Polizei Kontrollen !

    1. sy-columbia

      Liebe Monika, liebe Leserschaft,
      junge Leute in Italien haben die Parole #andratuttobene (=Alles wird gut!) in Umlauf gebracht. Von den Balkonen hängen Nationalflaggen, die Leute verabreden sich zum Musik Machen am offenen Fenster, zum „gemeinsamen“ Dinner via Skype, beim Einkaufen trägt man Maske und jeder hält sich an den Sicherheitsabstand in der Schlange. Der Gemeinschaftssinn ist erwacht und alle sind bestrebt durchzuhalten. Wir auch – mit unserem internationalen (deutsch-schwedischen) Motto „WAO = We are optimistic“ muntern wir uns von Steg zu Steg gegenseitig auf! Bleibt gesund!

  2. Monika

    Danke für die Gruesse…..
    Macht das beste aus dem Tag und genießt/lebt auf eine andere Art und Weise !
    soweit möglich, winken und “morsen” wir von Balkon zu Balkon !
    Gymnastikuebungen werden nachgemacht und um 19 Uhr geklatscht und getrommelt um den Menschen in den oeffentlichen Diensten (Aerzten/Polizei etc. ) Respekt und Dank zu beweisen !
    Da müssen wir durch !
    Liebe Gruesse, nach Italien und Deutschland,

  3. Ingolf Pfannenschmidt

    Hallo Ihr Beiden,

    wir sitzen hier in Thailand fest. Unsere Flüge sind gestrichen.
    Hier ist das Leben aber noch weitgehend normal. Nur die Schulen sind geschlossen. Läden und Restaurants arbeiten normal. Und Masken tragen die Asiaten oft auch ohne Corona.
    So gesehen sind wir froh hier festzusitzen, und nicht in Deutschland. Mal sehen wie lange die Sache noch läuft.
    Genießt die Ruhe!

    Liebe Grüße
    Brigitte und Ingolf

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