Kein Hafenblues

25 Tage Quarantäne haben wir hinter uns. Ob nach Ostern Phase 2 folgt, wie von der italienischen Regierung angekündigt, ist noch ungewiss und damit auch, wann wir ablegen können. Mit allen Menschen in Italien hoffen und bangen wir, dass wir wieder raus dürfen. Auf den Straßen macht sich allgemeine Unruhe breit. Die Menschen halten zwar vermehrt Abstand und meist wird Maske getragen, doch es wird deutlich mehr „zum Einkaufen“ gegangen. Inzwischen haben auch wir immer unser Formular dabei, auf dem man Angaben dazu machen muss, warum man unterwegs ist. Bei einer Polizei-Kontrolle sollte man dies vorzeigen können, sonst wird es teuer.

Das Formular haben wir aus dem Internet heruntergeladen und erstmal mit dem Pons-Programm übersetzt, schließlich gibt es das Schriftstück nur in italienischer Sprache. Bis heute sind wir jedoch noch nicht angehalten worden. Hotspots der Kontrollstationen sind die Hauptzufahrtsstraßen und die Straße zum Meer, bei schönem Frühlingswetter zieht es die Römer an den Strand. Doch auch der ist gesperrt, damit sich die Leute bloß nicht zum gemütlichen Viren(tausch)plausch treffen. Somit können auch all die kleinen und großen Roadrunner nicht zum Austoben kommen – die Familien mit Kindern sitzen in ihren kleinen Wohnungen fest – sie tun uns echt leid, natürlich nicht nur hier, sondern überall auf der Welt.

Unsere Marina ist zum Hochsicherheitstrakt mutiert, nur noch der Haupteingang – rund um die Uhr bewacht- ist offen. Fremde dürfen das Gelände nicht betreten, wir haben immer unsere Codekarten dabei, damit wir bei der Eingangskontrolle zeigen können, dass wir auf dem Boot wohnen. (Inzwischen erkennt man uns aber schon, denn von 800 Booten sind nur ca. 20 bewohnt.) Anfangs haben wir die riesigen Freiflächen für Spaziergänge und zum Joggen genutzt, doch wir sind von der Guardia Finanza (Küstenwache) streng ermahnt worden, dass wir Sport nur auf unserm Steg machen dürfen.

Apropos Sport – der Segelsport beschränkt sich auf Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten, mal eben eine Runde segeln, ist nicht. Die Häfen des gesamten Mittelmeerraumes bzw. weltweit sind gesperrt. Würden wir einfach so auslaufen, dürften wir nur, wenn überhaupt wieder, nach Anmeldung über Funk bei der Küstenwache und dem Zeigen der gelben Quarantäneflagge unter der Steuerbordsaling zurück in den Hafen und müssten dann 14 Tage in verschärfter Quarantäne bleiben, das heißt, niemand darf von Bord. Das ist uns denn doch zu heftig. Also warten wir geduldig und machen es uns im Hafen nett.

Zum Beispiel haben wir uns mit unseren schwedischen Freunden zum Pasta-Workshop getroffen. (Nicht weitersagen- ist wahrscheinlich verboten, und wenn der Hubschrauber über uns kreist, gehen wir in Deckung.) So können wir doch wenigstens Italiens berühmte Küche genießen. Wir haben uns von den Pasta Grannies inspirieren lassen – eine clevere Britin hat mit vielen wunderschönen Videos die Urgesteine der italienischen Kochkunst bei ihrer Arbeit festgehalten – eine Hommage an die Nonnas (Großmütter), die ihre Familien mit leckeren Pastagerichten verwöhnen. Schaut doch mal selbst: auf YouTube.de (Stichwort: Pasta Grannies) und www.pastagrannies.com – einfach genial.

Bleibt gesund und lasst euch nur von guter Laune anstecken!

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