Pyrenäen

Städtetouren sind ja ganz schön – genug geguckt – jetzt wird gesegelt. Wie oft in den letzten Tagen ist es morgens trüb und windstill. Zum Glück ändert sich das in den nächsten Stunden. Die Sonne kommt raus, der Himmel wird klar und gegen Mittag erwacht der Wind und nimmt stetig zu – noch 12 Meilen bis Blanes. Nur mit der Genua, unserem 75qm großen Rollsegel, zieht Columbia mit 7 kn übers Meer. Blanes ist im Sommer ein sehr begehrter Hafen mit nettem Ambiente. Die Marina wird von bebauten Hügeln eingerahmt, der kleine Ort bietet vom Frischmarkt bis zur Shoppingmeile alles, was ein Segler braucht. Als morgens die Wettervorhersage zu viel Wind im Angebot hat und die Hügelkuppen in Nebel gehüllt sind, verlängern wir noch mal. Weiter geht’s am nächsten Tag mit wenig Wind – da muss der Motor ran. Gerade haben wir es uns im Cockpit gemütlich gemacht, kriegen wir plötzlich einen kräftigen Adrenalin-Schub. Der Motor hört sich gar nicht gut an, die Drehzahl nimmt ab und schließlich geht er ganz aus. Das traf uns zuletzt völlig ahnungslos auf dem Atlantik beim Cabo Finisterre. Doch diesmal sind wir vorbereitet: der Notfallbeutel mit den drei Filtern und dem passenden Werkzeug liegt bereit.

Unisax – auf Wache

Die Segelyacht  Unisax fährt auf Rufweite heran, denn ohne Wind treibt Columbia langsam auf die Küste zu. Mit geübten Handgriffen macht sich der „Motorflüsterer“ an die Arbeit (ist wie eine Operation am offenen Herzen) und nach 20 Minuten lauschen wir alle erleichtert dem schnurrenden Motorgeräusch (Anders über Funk: ..what a beautiful noise!)  Unisax will bei diesen leichten Winden ihr Leichtwindsegel aufheißen und auch bei ihnen macht Rasmus Zicken, das bunte Tuch hat sich im Bergeschlauch völlig vertörnt und ist so nicht zu gebrauchen. – Noch 8 Meilen bis zum Hafen, Rasmus will sich wieder einschleimen und schickt nun kräftigen Wind – schließlich gibts doch noch eine Rauschefahrt nach L’Estartit.

Hier gefällt es uns sehr. Wie so oft bringt das Wetter unsere Planung durcheinander, der Mistral bäumt sich auf und wir machen erst mal Urlaub. Bei diesen Bedingungen nicht auszulaufen, gilt nicht als Zeichen von Schwäche, sondern ist schlechterdings unmöglich bei vorhergesagten 10 Beaufort Windstärke aus Nord.

Lecker Essen, Strandspaziergänge, gemütliche Abende mit Ewa und Anders. Nach einer Woche wollen wir weiter, doch der Mai ist wie April, der macht was er will. Wenn die Seefahrt Pause hat – ist Landpartie angesagt. Die Pyrenäen sind in Sichtweite. Wir mieten zusammen ein Auto und auf geht’s ins Gebirge.

Pyrenäen

Wir waren ja während des Winters im Süden – das Landschaftsbild ist dort karg und felsig, manchmal schon wüstenartig. Welch ein Kontrast zu den Pyrenäen – wir sind mitten in üppigem Grün. Wald so weit das Auge reicht, schneebedeckte Bergspitzen im Hintergrund. Es wird kühler, doch die Erde duftet und es riecht nach Heu. Fühlen wir uns am Anfang noch wie im Sauerland ändert sich das schnell, je weiter wir in die Berge kommen.

So eine Einsamkeit haben wir lange nicht erlebt, zuletzt bei unserer Rundfahrt im Hinterland von Lagos in Portugal oder bei unserer Sierra Nevada Rundfahrt. Wanderwege, die im Nichts enden, Grüntöne in allen Schattierungen, üppiger Mischwald, nur hier und da ein Einödhof ansonsten keinerlei Bebauung oder Zersiedlung.

Nachdem wir uns im Nirgendwo einige Wohnhöhlen angesehen haben, keine Ahnung wovon die Bewohner hier gelebt haben,

kehren wir in ein rustikales Familienrestaurant ein und genießen ein zünftiges Mittagessen. Keine 5-Sterne-Küche mit Designerbesteck, sondern ein bäuerlicher Familienbetrieb; es gibt vor allem viel, rustikal und tierisch lecker. Der Tagesausflug ins Gebirge hat uns tief beeindruckt und unser Spanienbild vervollständigt. Die nächste Etappe steht nun an und nach gut einem Jahr Aufenthalt verlassen wir Spanien und setzen den Kurs entlang der französischen Küste.

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