Roaring Forties

Mit diesem Begriff wird in Seglerkreisen auf der Südhalbkugel die Westwindzone zwischen dem 40 sten und 50 sten Breitengrad bezeichnet. Ein berüchtigtes Seegebiet mit starken Westwinden, unbeständigem Wetter und hohen Wellen. Wir liegen seit einer Woche sicher im Hafen von Gruissan auf 43 Grad nördlicher Breite und wollten eigentlich zu diesem Zeitpunkt bereits aus Marseille berichten. Wir fühlen uns jedoch wie in den Roaring Forties und denken an Berichte berühmter Fahrtensegler, die dort gesegelt sind, dabei oftmals zwischen Cap Horn und Australien kämpfen mussten, um ihr Ziel unbeschadet zu erreichen. Sie berichten von haushohen Wellen und einem ständigen Heulen des Windes im Rigg. Der Tramontane, ein trocken kalter Fallwind aus Nordwest oder und der Mistral zeigen uns, was sie können und das ist durchweg beeindruckend. Dabei hat unsere Weiterreise so gut angefangen. 

Portbou heißt unser letzter Hafen in Spanien. Die zugehörige Bucht ist an der felsigen Küste kaum auszumachen. Das Cap Creus wird unsere letzte Cap-Rundung an spanischen Gestaden sein. Wie oft an solchen Stellen steigt der Meeresboden auf kurzer Distanz rasant an (hier von 2000 m auf 40 m),  entsprechend kabbelig ist die Wasseroberfläche. Die Landschaft erinnert uns stark an Galizien; steilaufragende Felsen umrahmen kleine Buchten mit Sandstrand. Calanques ist die bekannteste Bucht mit wunderschönen Ankerplätzen, wenn der Schwell mitspielt. Nachdem wir lange auf die Weiterfahrt gewartet haben, wäre Anker-Hopping von Bucht zu Bucht ideal, wenn der Schwell uns nicht gerade wieder einen Strich durch die Planung machen würde. In Portbou im kleinen Hafen liegen – ist fast so schön wie ankern. Abends klappt zum Saisonstart sogar das Angrillen. Die Unisax-Crew und wir genießen Deftiges bei sommerlichen Temperaturen und langsamem Sonnenuntergang.

Am nächsten Tag hat sich ein kleines Wetterfenster geöffnet, so dass wir nach einer Rauschefahrt in Gruissan festmachen. Wir rechnen auf Grund der Wettervorhersage mit einer zweitägigen Pause, doch aus diesen zwei Tagen wird letztendlich eine Woche. Gruissan ist eine typische liebenswerte französischen Kleinstadt mit einem mittelalterlichen Zentrum, man lebt vom Tourismus, Fischfang und der Salzgewinnung. In einer großen Flachwasserzone am Ortsrand wIrd in rosafarbenen Becken Salz durch Verdunstung gewonnen. (Rosa von kleinen Krebsen, die wiederum von Flamingos geschlürft werden und ihren Federn die typische Schattierung geben.)

 Columbia liegt sicher vertäut am Steg, Sturmschäden an den Hafenanlagen und den hier liegenden Schiffen sind gering, soweit wir es beobachten konnten, doch ist ein kleines Segelboot am Steg im Sturm gesunken.

Wir haben die Hafentage mit Ausflügen nach Carcassonne und der Besichtigung von Europas größter mittelalterlicher Burganlage sowie einem Spaziergang am Canal du Midi ergänzt.

Der Canal du Midi ist für flachgehende Sportboote mit einem maximalen Tiefgang von 1,4 m und mit einer maximalen Höhe von 3,2 m schiffbar und führt vom Mittelmeer bis nach Toulouse und endet bei Bordeaux in der Biscaya. Der Kanal wird gerne von Seglern benutzt, die ihr Boot mit gelegtem Mast nach Norden überführen wollen.

Sie sparen sich so die Fahrt um ganz Spanien und Portugal herum, wobei die portugiesische Küste das Hauptproblem darstellt. Dort erschwert der portugiesische Norder das Vorankommen. Bei uns sind weiterhin stürmische Böen angesagt und so haben wir zusammen mit der Unisax-Crew schließlich ein ausgiebiges Protestessen mit Austern und anderen Leckereien gestartet.

Unbeeindruckt hält der Sturm an und wird sogar noch stärker, nun ja  – wir haben es jedenfalls versucht. Wir nehmen es nunmehr wie es kommt, um Mitternacht gibt es bei Meteoconsult neue Farben, es bleibt spannend.

2 Comments

  1. Henrik

    Das sind ja ganz andere Bilder als die, die wir in den letzten Monaten von euch und eurer Umgebung gesehen haben. Unglaublich, was ein paar hundert Kilometer ausmachen. Da freut es uns, dass wir eure Eindrücke scheibchenweise teilen können.
    P.S.: Passend zu eurer Überschrift neigen sich meine persönlichen „roaring forties“ im Laufe der Woche dem Ende zu. Mal sehen, was noch kommt – frische Brise oder laues Lüftchen? 😉

    1. Bernhard

      Lieber Henrik,
      da wir vom Lebensalter ja nunmal etwas Vorsprung vor dir haben können wir deine Frage sicher beantworten. Nach den Roaring Forties kommen die
      Screaming Fifties! Es bleibt also spannend.

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