Ostia

Seit unserem letzten Blockeintrag ist etwas Zeit ins Land gegangen, denn wir sind für 2 Wochen in die alte Heimat gefahren, um bei einem Umzug zu helfen und Freunde und Verwandte zu treffen. Einen Vorgeschmack auf die kalte Jahreszeit hat es gratis dazugegeben, feste Schuhe statt Flipflops, schlafen in geschlossenen Räumen, Nachttemperaturen unter 10 Grad – Brrrrr, nach Monaten das erste Mal Gänsehaut. Nun sind wir zurück in Ostia auf unserem schwimmenden Zuhause. Ewa und Anders hatten während unserer Abwesenheit ein wachsames Auge auf unser Boot. Die Temperaturen liegen nun tagsüber bei 25 °C, es weht beständig ein leichter Wind bei blauem Himmel, perfektes Ausflugs- und Erkundungswetter. Die Strandpromenade wird nur von einigen Einheimischen für ein Sonnenbad aufgesucht, Touristen sind nicht mehr da.

Der Hafen ist gut belegt, doch sind die meisten Boote verlassen. An den Wochenenden werkelt der eine oder andere Eigner am Boot, aber es ist nicht zu übersehen, die Segelsaison ist zu Ende. Mittlerweile kennen wir uns in Ostia schon ganz gut aus, doch bleiben wir auf manchen Wegen überrascht stehen, so sehr weicht das Gesehene vom Gewohnten ab. Neubauten kämpfen durch die Bank mit Betonkrebs. Überall bröselt Putz vor sich hin, Hauswände haben dicke Risse, die sich sichtbar durch die Klinkerfassaden ziehen. Balkone werden bei akuter Einsturzgefahr einfach abgestützt. Scheint ganz normal zu sein, niemand regt sich auf. Warum das so ist, wissen wir nicht. Ob Pfusch am Bau, Verarbeitungsmängel oder eine allgemeine Nachlässigkeit die Gründe sind, in Deutschland würden solche Häuser jedenfalls nicht abgenommen. Da sind die Hinterlassenschaften der antiken Römer in einem deutlich besseren baulichen Zustand. Im Gegenzug dazu sind die Straßen nun nicht mehr zugemüllt, es sieht etwas gepflegter aus, die Müllwerker hatten wohl einfach nur Betriebsferien. 

Unsere ersten Erkundungsfahrten nach Rom waren überaus spannend. Um nicht in die Touristen ströme der Top-Sehenswürdigkeiten zu geraten, haben wir in Erinnerung an Valencia’s Chinatown dieselbe in Rom gesucht. Unser Weg führt an der Markthalle des Nouvo Mercato Esquilin vorbei, der im Reiseführer „rommalanders.com“ als besonders lebhaft und bunt angekündigt worden ist. Gleich nach den ersten Schritten hinein fühlen wir uns an den Besuch der Kasbah in Tanger erinnert. In der Luft liegt wieder der unbeschreibliche Geruch, ein reichhaltiges Sortiment von tollen Gemüsen, Früchten und Gewürzen wird angeboten, etliche haben wir noch nie gesehen, geschweige denn gegessen.

Die Fischhalle bietet alles, was der Gourmet mag und noch viel mehr. Es wird lautstark in den unterschiedlichsten Sprachen gehandelt und gefeilscht. Die exotische Kleidung der Multikulti-Kundschaft lässt auf Menschen aus asiatischen und afrikanischen Ländern schließen. Auch in der Umgebung haben wir so richtig Chinatown wie in Valencia nicht gefunden. Die Suche nach einer chinesischen Garküche mit leckerer WanTan-Suppe endet in einem indischen Schnellimbiss – naja, wir hatten Hunger.

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