Lissabon per Elétrico

Viele der in den Reiseführern beschriebenen Sehenswürdigkeiten streifen wir nur am Rande, da diese zum Pflichtprogramm u.a. der Kreuzfahrer gehören. Gefühlt ist zur Zeit auch halb Japan und China hier. Besichtigungen dieser Gruppen sind eher so eine Art Volkslauf, um möglichst viele Orte abhaken zu können – noch schnell ein Selfie und man hechelt weiter. Die Orte für das Mittagessen und den kommerziellen Fado sind vorgebucht. Da hat wohl weder das Essen noch der Fado etwas mit Portugal zu tun. Diese Rudelveranstaltungen sind nichts für uns, wir begeben uns lieber selbst auf Entdeckungsreise. Sobald man von den Trampelpfaden abweicht, ist man dann auch schnell wieder wohltuend allein.
Eine Ausnahme muss dann aber doch sein: die Fahrt mit der legendären Elétrico (Straßenbahn) Linie 28, (ersatzweise die Linien 12, 25) die die Lissabonner Altstadt bedienen. Da lohnt sich auch Schlange stehen.

Empfehlen können wir die Fahrt um die Mittagszeit, da die Kreuzfahrer pp um diese Zeit Essen gehen, dann hält sich die Wartezeit in Grenzen. Diese Fahrt muss man sich unbedingt gegönnt haben, einfach nur genial!! Dagegen ist Achterbahn fahren langweilig.
Elétricos rattern seit 1901 die Hügel rauf und runter, später elektrifiziert, ansonsten vollanalog, kein Plaste und Elaste sondern ein wunderschöner Holzausbau, Holzsitze und ohne Polster, alle Fenster sind geöffnet, Klimaanlage ist etwas für Weicheier – Federung? was ist das denn!! – ohrenbetäubender Lärm beim Bremsen und Kurven fahren.

Bei der Fahrt bergan sind sogar extra abgeflachte Haltestellen eingerichtet. Es ist jedesmal spannend, wenn bei den Steigungen die Bahn wieder anfährt, die Räder drehen auch so schon oft genug durch. Bei Gegenverkehr muss lautes Schellen reichen, um Platz zu kriegen und dann passt das schon. Spannend auch die Situationen, wenn mitten auf den Schienen ein Kleintransporter steht. Dann knallt der Elétricofahrer die Bremse rein und die Bahn kommt 2 cm vor dem Transporter zum Stehen, schließlich klingelt er solange, bis der Fahrer herbei joggt oder der Abschlepper anrollt.
Die Altstadt liegt an einem Steilhang, wir wollen nicht sagen, man fährt hoch bis zur Baumgrenze, mehr Steigung oder Gefälle kann ein Schienenfahrzeug nicht bewältigen, danach kommen Seil- und Zahnradbahnen, die gibt es in Lissabon auch an einigen Stellen. Die Linie wird nur von kleinen Wagen befahren, da die Straßen so eng sind, dass längere oder modernere Gefährte hier nicht durchkämen.

Bei der Fahrt kann man aus den Seitenfenstern die Häuserwände berühren! Von der Fahrt haben wir ein – wie wir finden sehenswertes Video gedreht. Es handelt sich bei der Linie 28 nicht um eine reine Nostalgiebahn, die nur für Touristen fährt, sondern um eine normale Straßenbahn, die regulär im 11 Minuten Takt unterwegs und für die Einheimischen unentbehrlich ist. Wie soll man sonst die Einkäufe aus der Unterstadt hier hochwuchten? Unser lieber Webmaster meint … „sieht aus wie in Wuppertal!“ In Wirklichkeit wird Wuppertal von Lissabon getoppt. Echt schweres Geläuf!
Wer hier ein Auto besitzt, hat echte Probleme, Parkplätze sind keine Mangelware sondern in der Altstadt schlicht nicht vorhanden. Geparkt wird trotzdem, behindernd parkende Fahrzeuge werden, wie wir selbst gesehen haben, konsequent durch polizeieigene Abschleppwagen entfernt, insbesondere wenn diese auf den Straßenbahnschienen abgestellt werden. Die Elétrico 28 fährt quasi einen Rundkurs, nach gut einer Stunde gelangt man zum Ausgangspunkt zurück, zufälligerweise in der Nähe der Markthalle. Der Skipper ist nach der Bahnfahrt ausgehungert, doch da er jetzt über Lokalkenntnisse verfügt, hat er die Menüauswahl selbst in die Hand genommen. Das ging aber sowas von schnell….

Für den kleinen Hunger zwischendurch – ganzes Spanferkel auf Toast

2 Comments

  1. Webmaster

    Beeindruckende (Tor)Tour. San Francisco lässt grüßen, Wuppertal natürlich auch (ja, doch!). Die rollenden Holzkisten wären bei uns längst aus dem Verkehr gezogen worden – Lärmschutz, Brandschutz, UVV & Co., da findet sich immer etwas. Die Autobesitzer wissen anscheinend genau, wie weit sie ihre Außenspiegel (sofern vorhanden) einklappen müssen.

    Ein vergleichbares Modell fährt auch heute noch – hängend – durch Wuppertal (ja. doch!): der Kaiserwagen“. Da technisch und optisch auf dem Stand der oben gezeigten Straßenbahn, wird das bergische Exemplar nur noch unregelmäßig aktiviert.

    https://www.youtube.com/watch?v=h1LRgqLv3dQ

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