Catania

Nach entspannten Tagen in der Ankerbucht Augusta ist der Aufbruch nach Catania holpriger als geplant. In der Nacht erwischt uns der Rand einer Gewitterzelle, Blitz und Donner alarmieren die Skipperin. Zuerst prasselt ein kräftigen Schauer aufs Schiff – alle Luken sind weit offen, schnell alles zumachen und die Kopf-to-do-Liste „Gewitter am Ankerplatz“ drängelt nach vorn. Wie war noch die alte Seglerweisheit aus dem BR-Kurs: Kommt der Regen vor dem Wind, musst du reffen ganz geschwind! Und richtig die Böen lassen nicht lange auf sich warten. Sollen wir den Motor starten – vorsorglich nur für den Fall…(Nach Blitzeinschlag fällt meist die Elektrik aus und dann kann auch der Motor nicht gestartet werden, haben wir aus Berichten anderer Crews, die diese böse Erfahrungen gemacht haben, gelernt.) Während der Skipper die Lage peilt, rauscht wenige Meter hinter dem Heck eine Yacht vorbei – Schock!!  Unisax ist auf Drift gegangen, der Anker slippt. Zum Glück ist ringsum viel Platz, der aktivierte Ankeralarm jedoch hat ausgelöst und unsere Freunde geweckt. Anders startet die Maschine und bremst Unisax ab. In einer Windpause gehen unsere Freunde Anker auf und suchen einen neuen Platz. Der Ankergrund hier kann tückisch sein, wenn man keinen Sandfleck trifft sondern Seegras, kann sich der Anker durch das Wurzelwerk nicht ordentlich eingraben. Nach einiger Zeit sehen wir Unisax weit entfernt wie festgenagelt. Der Wind flaut ab, 4 Uhr – noch Zeit für ne Mütze Schlaf. Wir starten recht früh am nächsten Morgen, die 20 Meilen Distanz sind eigentlich nix, doch die Windvorhersage kündigt gegen Mittag 6 Bft und Wellen von Nord an. Kaum sind wir aus der Ankerbucht raus, geht’s auch schon los – ist wie Rodeoreiten, hoch am Wind nehmen wir die Maschine dazu, damit Columbia sich in den Wellen nicht feststampft. Als ambitionierte Seglercrew könnte man jetzt aufkreuzen, wir sind über den Winter zu Weicheiseglern mutiert, die Seebeine sind noch nicht nachgewachsen. Das Ziel ist schon in Sicht, als Columbias Motor verstummt, die Schaukelei hat den Diesel ordentlich gemixt und die Filter haben gearbeitet, bis sie voll waren. Inzwischen sind wir Profis, die Genua ein winziges Stück ausgerollt – Gegenkurs – Motorraum auf – mit sicheren Handgriffen tauscht der Skipper das Filter – Maschine läuft wieder.

In Catania werden wir von der Unisax-Crew eingewunken, Guiseppe vom Club Nautico Catania (40 Liegeplätze) und sein Marinero reichen die Mooringleinen rüber und machen uns fest. Wir sind wieder mal mittendrin gelandet – in Catania. Die Roro-Fähren in Sichtweite und einige Fischerboote schräg gegenüber, erzeugen mit den anfahrenden Trucks einen gleichförmigen Arbeits-Sound im Hintergrund. Hier sind wir genau richtig.

Unerwartete Entdeckung – hat der Skipper in Deutschland noch nie gesehen!

Das Centro Storico (Altstadt) beginnt gleich hinter dem Hafen, das werden wir später erobern, denn zuerst ist der Impftrip dran.

Dank Google sind die Busstation und der Ticketverkauf leicht zu finden. Die Tour nach Licata ist im vollklimatisierten Bus sehr gut auszuhalten. Als wir am Ziel aussteigen, ist das ein Gefühl wie nach Hause zu kommen, immerhin haben wir hier neun Monate gewohnt. Die Vermieter der Airnb-Herberge nehmen uns freundlich in Empfang; die Wohnung ist der Knaller, sehr geschmackvoll eingerichtet und natürlich mit Klima-Anlage, wir machen quasi Urlaub von der Hitze. Wir richten uns ein, gönnen uns Sushi als Take away und genießen. Am Sonntag Morgen schweißen wir den Berg hoch zum Krankenhaus, um 10 Uhr haben wir unsere Termine, wie beim ersten Mal sehen wir keine Warteschlangen. Nach kurzer Anmeldeprozedur – der QR-Code wird gescannt – sitzen wir schon bei der Ärztin – Daumen hoch – Foto – der Piks sitzt.

Unsere schwedischen Freunde haben ihre Termine zwar erst am nächsten Tag, doch eine wohlwollende Mitarbeiterin sorgt dafür, dass wir zusammen feiern können – hurra, wir sind geimpft. Das Krankenhaus Licata hat jedem von uns als Impfbestätigung zwei auf Papier aufgeklebte QR-Codes mit Unterschrift und Stempel vom Chefarzt ausgehändigt. Der Skipper, ein grenzenloser Optimist, lädt sich mutig die neue und überall in den Medien als „must have“ angepriesene EuropaCOVPass App herunter und will die beiden Codes einscannen. Diese sind jedoch für das System nicht lesbar und nicht nur wir fragen uns, was in Europa eigentlich falsch läuft, wenn selbst so einfache Dinge nicht funktionieren; weil offensichtlich überall blutige Amateure ihre Hand im Spiel haben. Da liest die Skipperin im Internet von einer nationalen, sprich italienischen App als Impfnachweis. Das Ganze noch mal von vorn, runterladen, einscannen, frustriert sein, – in solchen Fällen hilft manchmal Alkohol- denn, die tut es auch nicht. Also wie früher, ganz analog, tragen wir Papier mit uns herum. Für den Notfall haben wir die Codes zusätzlich gescannt und fotografiert, so dass uns der Impfnachweis bei Kontrollen gelingen sollte. Die nächsten Tage verbringen wir mit Relaxen, Schlafen, bekannte Wege gehen, noch mal alte Bekannte in der Blue Sky Bar treffen, Antipasti-Meeting mit Gerhard und Patricia, Pasta-Genuss in komfortablem Küchen-Ambiente.

Jetzt sind wir zurück in Catania und nehmen uns Zeit, die Stadt zu erkunden. Endlich ist Sizilien weiße Zone, die Stadt brodelt, die Leute gehen einkaufen, die Restaurants sind gut besucht. Die Maske wird in Geschäften und Bussen aufgesetzt und wenn es auf der Straße knubbelig wird.

Catania ist Universitätsstadt, es gibt großzügige Boulevards mit namhaften Läden. Antike Bauten und prachtvolle Paläste sind genauso vertreten wie schäbige Hinterhöfe und mehrstöckige Wohnsilos. Die Märkte und Gassen, die Szeneviertel laden zum Bummeln ein und ziehen viele junge Leute an.

Allgegenwärtig ist der Ätna, auf der nach ihm benannten Allee hat man immer freie Sicht auf den Vulkan. Hier in der Marina können wir ihn nicht sehen, doch er ist präsent und hat uns gleich in unser ersten Nacht zurück auf Columbia mit leisem Rieseln „aufgeschreckt“. Wenn du nachts im Bett auf einmal von oben eingestreuselt wirst, ist das nicht mehr lustig. Black Friday ist out, aktuell ist Black Wednesday angesagt.

Catanias Straßen und alle parkenden Autos – schwarz, es knirscht unter der Sohle und im Gegensatz zu Hagel schmilzt das Zeug nicht weg. Die Straßenreinigung hat längst kapituliert. Da ist der Appell des Bürgermeisters: Maske tragen gegen gefährliche Staubpartikel echt hilfreich. Täglich prüfen wir die Windvorhersagen und Strömungstabellen, denn wir wollen die sagenhafte Strasse von Messina in Richtung Norden durchfahren. Hier lauern nicht nur Seeungeheuer und gefährliche Strudel auf uns, sondern vor allem die Großschifffahrt mit Frachtern und eng getacktetem Fährverkehr. Das wird noch mal spannend.

2 Comments

  1. Renate&Andy

    Es ist so interessant, mit euch unterwegs zu sein – ganz gleich ob zu Fuss, Bus, Auto oder endlich wieder zu Wasser! Freuen uns, von euch zu hören und die vielen schönen Fotos zu sehen. Ihr beschreibt die aktuellen Erlebnisse im Land sehr packend und wir warten schon, wie es weitergeht und dass ihr mit oder trotz mancher Änderungen immer wieder nette Entdeckungen mit Land und Leuten machen werdet und uns Leser damit „mega“ erfreuen könnt!!
    Ich bin geschichtlich nicht besonders bewandert, aber durch euer Berichten habe ich schon manchmal das Internet befragt und es ist sehr bewegend, was für geschichtlich wechselvolle Zeiten auch Sizilien schon erlebt hat!!
    Seid herzlich gegrüßt hier aus dem regenreichen Schwarzwald – aber trotzdem sehr dankbar für alles Wachsen und Blühen und nicht Gießen müssen und auch fast jeden Tag die Sonne etwas zu sehen und bisher vor Überschwemmungen bewahrt geblieben zu sein. Renate&Andy

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