Capri

„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt…“, so beginnt der Text im Lied der Caprifischer im Original von Rudi Schuricke 1943  besungen. https://youtu.be/09KWMUOyP6E

Und es stimmt, die Sonne geht hier bei Capri unter und wenn sie es tut, ist sie rot und taucht alles in ein fantastisches Licht. Der nächtliche Sternenhimmel macht einen sprachlos, denn über dem Meer wirken die Sterne ohne dieses viele Fremd- und Streulicht der Städte sehr viel eindrucksvoller und man sieht auch sehr viel mehr davon. Nach zwei Tagen in Castelmare di Stabia (bei Neapel) und unserem Besuch in Pompeji legen wir ab und nach knapp 14 Seemeilen werfen wir vor dem Hafen von Capri den Anker. Ursprünglich war unser Ziel die Südküste mit monumentalen Felsformationen und Natur. Doch wir haben uns an die lokalen Windphänomene noch nicht gewöhnt. Vor Ort erscheint uns die Bucht ungeeignet. Also doch ankern direkt neben der Marina Grande im Norden. Unisax und Columbia sind die einzigen Segelboote, die vor dem Hafen ankern. Neben uns liegt nur noch die schwarze Mega-Motoryacht OKTO. Anhand der ausgestrahlten Kennung im AIS (Schiffsidentifizierungssystem) finden wir das Schiff im Internet: es ist eine Charteryacht! mit 17 Crewmitgliedern und kann für 400.000 Euro pro Woche gechartert werden, die Welt der Schönen und Reichen – aber nicht unsere Welt.

Da unten liegen Columbia und Unisax vor Anker

Capri ist wunderschön und zurzeit leer. Keine Kreuzfahrtschiffe, keine ausländischen Touristen, lediglich am Wochenende kommen Tagestouristen aus Neapel und Umgebung per Fähre oder eigenem Boot für einen kurzen Besuch. Entgegen unserer Erwartung von Schickimicki-Ambiente überrascht uns die Insel sehr positiv und erinnert an Madeira, sehr gebirgig, teilweise üppig grün, nicht zugebaut und frei von Hochhäusern.

Capri hat sich seinen Charme bewahrt. Wir haben es einfach genossen vom Cockpit aus auf die Insel zu schauen. Ab und an sind wir mit dem Beiboot von Unisax im Hafen angelandet und haben uns den Ort angeschaut. Unten am Hafen ist alles auf den Touri-Ansturm ausgelegt, Flotten von kleinen und großen Ausflugsschiffen warten auf Gäste, Taxi-Kolonnen im typischen Cabrio-Capri-Stil flankieren die engen Straßen. Der Wartebereich vor den Ticket-Verkaufsstellen kann Hunderte verkraften, wo jetzt nur 10 Leute stehen. Wir kaufen ein Busticket für 2 € und fahren in einer atemraubenden Fahrt mit dem extraschmalen Mini-Bus rauf nach Anacapri.

Ewa und Anders haben uns auf einen schwedischen Arzt aufmerksam gemacht, der vor ca. 120 Jahren hier gelebt und gearbeitet hat, Axel Munthe (1857 – 1949) ein früher Europäer. Es wird erzählt, dass er noch als Student hoch oben vom Berg auf Capri schaute und sagte, dass er sich so das Paradies vorstelle, also baute er sich nachdem er Karriere gemacht hatte, an der Stelle ein Haus, um dort zu wohnen und zu arbeiten.

In den Nachschlagewerken kann man so einiges über ihn nachlesen, er war ein interessanter Mann mit einem erfüllten und abwechslungsreichen Leben. Sein „Wohnhaus“ ist nun Museum und ein Besuch wirklich empfehlenswert. Noch genau so eingerichtet und möbliert wie zu seinen Lebzeiten hat man den Eindruck, der Hausherr komme jeden Moment wieder herein. Überwältigend ist der raffiniert und naturnah angelegte Garten mit einem phantastischen Blick über die Bucht von Capri nach Ischia, Procida bis hin zum Vesuv und Neapel.

Natürlich ist alles etwas teuerer als am Festland, doch das muss wohl so sein. Wir haben Capri unter dem besonderen Eindruck nach Corona entdeckt, wir können uns kaum vorstellen, wie es abgefüllt mit Menschenmassen wirkt.

Eine Sphinx im Axel Munthe Garten wacht über Capri

Ach ja – die Blaue Grotte – haben wir ausgelassen, Grotten haben wir ohne Ende gesehen und die wirklich schönen unter ihnen waren immer kostenlos, aber nicht Touristenmagnete. Am Wochenende rauschen zahllose Ausflugsschiffen an uns vorbei, die Wellen haben Columbia Rock’n Roll tanzen lassen und das Innenleben der Crew gleich mit – nicht so schön. Das ist einfach ein Geschäft geworden und hat mit Romantik nichts mehr zu tun. 

One Comment

  1. Rump

    Capri ist wirklich eine schöne Insel und dank Corona kann sie endlich aufatmen, droht sie sonst aufgrund der Touristen im wahrsten Sinne des Wortes unterzugehen. Es freut mich, dass Ihr sie so frei erleben konntet. Das Glück haben nicht viele! Also genießt die Zeit! Darauf erstmal ein kühles Capri-Eis! Bis bald! Sinja

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