Pompeji

Wir verlassen Ventotene mit Kurs Neapel, unterbrechen unsere Reise aber in einer kleinen Ankerbucht von Procida, zu heftig wäre ansonsten der Übergang vom Idyll zur Großstadthektik.

Wir kommen vorbei an der großen Schwester Ischia, ein begehrte Wohnlage auf einem Vulkankegel, schön anzuschauen, die Ankerplätze unterliegen fast alle dem Naturschutz, heißt, nur Einheimische dürfen ab Juni ankern. Um Neapel zu erreichen, braucht man keine Navigationskenntnisse, denn der Vesuv ist schon von weitem am Horizont zu sehen. Er ragt wie ein Mahnmal aus der gelblichen Smogschicht über der Stadt heraus. Wer da in Deutschland von hoher Feinstaubbelastung redet, sollte sich hier mal ein Auge nehmen, was denn in Europa so möglich ist. Der Skipper fühlt sich an seine Kindertage erinnert, als er Opa „im Pott“ in Herne besuchte. Wir gehen in die Marina Stabia östlich von Neapel für satte 90 €! pro Nacht und wollen am nächsten Tag Pompeji besuchen. Die Coronazeit ist von den Verantwortlichen genutzt worden, alle Kassensysteme am Eingang von Pompeji abzubauen. Es können vor Ort keine Tickets mehr gekauft werden, nur noch vorab online im Internet. Leichter gesagt als getan, zusammen mit Ewa und Anders und zwei Flaschen Traubensaft geht die Skipperin als Sprachtalent ans Werk, denn die entsprechende Buchungsseite ist ausschließlich in italienischer Sprache verfasst und erscheint uns unübersichtlich im Aufbau und der Menüführung. Es geht jedoch besser als befürchtet, die Skipperin an den Tasten des Handy’s, alle anderen mit geöffneten Übersetzungsprogrammen auf den Knien kommt die Skipperin irgendwann zum Ende der Prozedur, (und die beiden Flaschen Traubensaft an den Bodensatz) nur noch schnell bezahlen und Hurra, Hurra, plötzlich erscheint ein CQR Code, unserer Eintrittskarten auf ihrem Handy (18 € p.P. ) Die Ticket sind mit einem Zeitstempel versehen, unsere gelten nur von 11.00 bis 11.15 Uhr. Das kannten wir so aus Barcelona und ist wohl die einfachste Möglichkeit die Besuchermassen zu steuern. Dies wäre in unserem Fall aber entbehrlich gewesen, denn nur wenige Besucher wollen wie wir die Sehenswürdigkeiten besichtigen.

In dem weitläufigen Gelände verläuft sich alles schnell und wir sind über weite Strecken fast allein unterwegs. Wer sich für die Geschichte Pompejis interessiert, findet im Internet oder den üblichen Nachschlagewerken viele Informationen.

Im Jahre 79 nach Christus ist bei einem Ausbruch des Vesuvs Pompeji verschüttet und mit der Stadt alles Leben in kürzester Zeit vernichtet worden. Im Laufe der Zeit wurde Pompeji vergessen und wurde wohl nur durch Zufall wiederentdeckt. Die Bimsstein-, Schlacke- und Geröllschicht lag 6m hoch über der Stadt und brachte alle Dächer zum Einsturz, konservierte jedoch auch alles. Berühmt sind die Figuren aus Gips, die man durch Verfüllen der Hohlräume, die die gestorbenen Menschen und Tiere erzeugt haben, rekonstruiert hat.

Hier sucht man sie vergebens, es gibt nur einige verstaubte Exemplare in einer Lagerhalle zu sehen. Eine umfangreiche Sammlung ist im Museum in Neapel ausgestellt. Mehrmals haben wir im Winter Ostia Antika besichtigt und waren stets beeindruckt, doch das ist nichts im Vergleich zu Pompeji. Ostia Antika war eine Arbeiterstadt, schlicht und zweckmäßig, natürlich mit öffentlichen Thermen, Foren pp aber ansonsten musste sie ein Heer von Sklaven beherbergen, die die im Hafen eintreffenden Waren umschlugen. Der Teil von Pompeji, den wir gesehen haben, zeigt Reichtum. Alle Häuser sind innen verputzt, haben kunstvolle Mosaikböden und sind farbenfroh ausgemalt. Darstellungen der Mythologie, Gottheiten und Jagdszenen wechseln sich ab.

Die Häuser waren an ein Wasserleitungssystem angeschlossen und durch die Gärten liefen offene Wasserrinnen. Das Wasser wurde dann durch die Häuser geleitet, speiste Bäder und wurde geschickt zur Kühlung der Bauten verwendet. Luftige Innenhöfe mit Wasserspielen, Teichen, Springbrunnen und Schatten spendenden Pflanzen sind für die Besucher rekonstruiert worden, man kann wie damals darin lustwandeln. Eine auch heute noch überaus beeindruckende architektonische Leistung und dies zu einer Zeit als in Germanien die Leute noch auf Bäumen hockten. Diese Häuser wurden offensichtlich von der reichen Oberschicht bewohnt.

In Pompeji sind wir besonders neugierig auf das Amphitheater, das, wie die anderen, die wir in Rom besucht haben, für seine grandiose Akustik bekannt ist. Heutzutage werden dort gerne Konzerte inszeniert. 2017 trat dort einer der größten Gitarrengötter an der E-Gitarre, David Gilmour von Pink Floyd auf und es entstand das Doppelalbum „Life at Pompeji“. Ein Konzert an diesem Ort, im Hintergrund der Vesuv mit einem entfesselt aufspielenden David Gilmour, mit einer bombastischen Lightshow, da wären wir gerne life dabei gewesen. (Gibt es zum Anschauen auf youtube.) Im Amphitheater von Pompeji, das steht fest, da gab es mächtig was auf die Ohren.

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