Rund Andalusien – das Finale

Von La Linea geht es zurück durch die Sierra Nevada. Bombastische Natur, im Zentrum fast menschenleer, ausgebaute Straßen, Kurven und Serpentinen satt.

Zum ersten Mal treffen wir auf Biker, darunter wohl echte Könner, die die Strecke mit teils hohem Körpereinsatz fahren. Fahrfehler darf man sich jedoch nicht erlauben, nicht jede Kurve ist einsehbar, manche Kehre hat keine Leitplanke und Steinschlag scheint ein Dauerthema zu sein. Alle anderen cruisen und genießen wie wir.

In Orgiva steigen wir in die Region Alpujarra ein, laut zahlreicher Reiseführer beginnt hier die schönste Strecke der Sierra Nevada mit den berühmten weißen Dörfern, die hoch oben an den Felswänden „kleben“ – mit atemberaubenden Aus- und Ansichten.

Erwartungsgemäß ist der nächste Campingplatz „Almocita“ nicht einfach anzufahren. Es werden drei Zufahrtsmöglichkeiten angeboten, die beiden, die durch das zugehörige Dorf führen, scheiden aus – viel zu eng. Die dritte Zufahrt erkunden wir kurz zu Fuß, bevor wir auf steil abfallendem Schotterweg in das Olivenwäldchen abbiegen, der Weg ist nichts für schwache Nerven – hoffentlich kommt jetzt kein Gegenverkehr. Das Risiko wird belohnt, Übernachtung in unberührter Natur auf einem Hochplateau, die Sicht ist extraklasse.

Nachts zieht ein Sturm auf und rüttelt unser WoMo ordentlich durch. Strahlender Sonnenschein mit genialer Fernsicht und ein völlig entspannter Campingplatzbesitzer vertreiben jedoch umgehend die Sorge vorm Wegfliegen, schließlich fahren wir auf der Straße auch mit 100 km/h. Häufig stehen Wildwechsel-Schilder an der Strecke und plötzlich stehen dann Gemsen am Fahrbahnrand, ein anderes Mal äsen sie völlig entspannt neben unserem Auto, als wir ein Pause einlegen. Eine nette Begegnung, diesmal ohne Warnhinweis, haben wir auf dem nächsten Übernachtungsplatz, die Steckdose ist bewohnt und wir müssen uns eine andere suchen.

Insgesamt fühlen wir uns immer wieder an abgelegene Strecken durch die Alpen erinnert.

Ausfahrt aus der Sierra Nevada

Geplant war eine Übernachtung auf dem Campingplatz bei Trevelez, um auf der höchsten Landstraße Europas zu fahren und einen Abstecher hoch zum Pico Valetta (3400 m Seehöhe) zu machen. Schnee liegt noch keiner auf der Straße, doch die Motorschwäche unseres Wohnmobils lässt eine solche Fahrt nicht zu, auch so sind einige Anstiege nur im 1. Gang zu bewältigen, das ist Quälerei für Mensch und Maschine und macht keinen Spaß. Wir nehmen es, wie es ist und fahren nach Mojacar und so ganz langsam verlassen wir die Einsamkeit, denn die Besiedlung nimmt zu. Die Panoramen wechseln nach jeder Kuppe – einfach beeindruckend. Wir bleiben zwei Tage auf dem Campingplatz in Mojacar und vergnügen uns in dem kleinen dazu gehörigen Dorf, das man nur über eine heftige Bergwertung erreicht. Wenn der Anstieg geschafft ist und der Atem sich wieder normalisiert hat, ist die schöne Aussicht jede Anstrengung wert. 

Weiter geht es am nächsten Tag nach Bocairent, ca. 100 km vor Valencia. Dort sind in einem „quasi“ Freilichtmuseum „Felsenwohnungen“ zu besichtigen.

Bocairent, Dorf der „hunderttausend“ Stufen

Bis heute rätselt die Wissenschaft über den Verwendungszweck dieser maurischen Höhlen. Die Vermutungen gehen von Grabkammern, Kornkammern bis hin zu westgotischen Klöstern. Es bleibt also noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten. Die Felsenhöhlen, die wir rund um Guadix und im Canon des Rio Jucar gesehen haben, werden demzufolge erst in der neueren Zeit zum Wohnen genutzt.

Kleines Resümee: Bisher hatten wir Spanien von der Meerseite kennengelernt –  Küstenlandschaften von schroff, abweisend und gefährlich bis sonnenverwöhnt und badefreundlich, mit blaugrünen Buchten und einsamen Stränden, aber auch touristisch ausgeschlachtet und zubetoniert, von Bausünden verunstaltet. Die hinter der Küste aufragenden Berge haben bei uns die Neugierde geweckt zu schauen, was sich dahinter verbirgt. Wir haben ein Spanien entdeckt, das so ganz anders ist – spektakuläre, einsame Bergregionen, dünn besiedelt, von der Sommerhitze verbrannte Stein- und Geröllwüsten, riesige Obstmonokulturen und Plastikwelten, aber auch grünes Ackerland, Stauseen und wundervolle Flusstäler mit und ohne Wasser. Selten ist die Natur sich selbst überlassen, auch kleinste Nischen mit ein bißchen Erde werden beackert und die steilsten Hänge bepflanzt. Die Menschen arbeiten hart – im Sommer muss es unerträglich heiß sein. Ganz besonders die Naturpanoramen mit wechselnden Licht- und Schattenwirkungen haben uns nachhaltig beeindruckt. Spanien – hat so viel mehr zu bieten als Sonne, Strand und Meer.

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