Nodo d’Amore

oder Stop over im Pasta-Paradies Nach dem Weihnachtsurlaub machen wir uns auf den Rückweg. Der passende Zeitpunkt will gut gewählt sein, immerhin haben wir Winter und Leihwagen aus Süditalien haben keine Winterreifen.

Brennerautobahn

Da könnte es einen eiskalt erwischen, wenn man die Wettervorhersagen ignoriert. Wir fahren also bei Topp-Bedingungen über den Brenner – nur noch 500 km bis Rom. Doch dieses Mal ziehen wir nicht durch – das Pasta-Paradies in Valeggio sul Mincio zieht uns magisch an. Dazu scheint uns eine Übernachtung im Hotel Eden angemessen zu sein. Aus früheren Reisen haben wir einige Lokalkenntnisse gesammelt und Valeggio sul Mincio steht auf unserer „Da-müssen-wir-unbedingt-nochmal-hin“ Liste ganz oben. Ein kleiner Ort, (Region Gardasee, Nähe Verona, irgendwo im Nirgendwo und vom Tourismus nur im Sommer entdeckt. Eine mittelalterliche Burganlage, eine spektakuläre Brücke und das angeblich schönste Dorf (Borghetto) des Mittelalters bieten Augenschmaus, drumherum ist eher landschaftliche Einöde und doch lohnt sich für den Pasta Fan jeder Stopp und jeder Umweg. Hier ist der Geburtsort der Nodo d‘Amore (Liebesknoten) = Tortellino di Valeggio, der Klassiker ist klein und mit Hackfleisch gefüllt. Sie werden il Brodo (in Brühe) oder in Butter mit Salbei serviert. Doch das ist erst der Anfang.

In zahllosen Manufakturen werden Tortellini und Tortelloni (die großen Teigtaschen) von Hand gefertigt. Die schier unendlichen Variationen lassen Gourmetherzen höher schlagen und die Columbia-Crew schwach werden: Spinat und Ricotta, viererlei Käse, Kürbis, Kartoffel, Brokkoli, Steinpilze… sind nur eine Auswahl der Füllungen, um deren genaue Rezeptur ein Geheimnis gemacht wird. Der quasi Wallfahrtsort in Valeggio ist jedoch die Pastificio Il Remelli. O Bella Italia!!! Zuerst betrittst du den klitzekleinen Verkaufsraum, in der Theke werden die gängigen Tortellini präsentiert, die Mitarbeiterinnen bedienen jeden Kunden als VIP, Produkt- und Zubereitungsempfehlung inclusive. Die Bestellung wird dann aus den riesigen Trockenschränken im Nebenraum zusammengestellt und wie Pralinen verpackt und per Hand beschriftet.

Doch halt bevor es ans Kaufen geht, solltest du nach rechts abbiegen. Hier wird in mehreren Räumen alles rund um die Pasta angeboten. Jetzt musst du erst das Mundwasser runterschlucken, denn es geht in den Produktionsbereich. In der Halle ist an langen Bänken eingedeckt, ein riesiger Kamin vermittelt heimelige Atmospäre, wenn’s ans Verkosten geht. Mmh! Schade, es ist erst 10 Uhr und noch zu früh fürs Prenzo (Mittagessen) – nächstes Mal. Allen Interessierten können wir die Internetseite www.pastificioremelli.it ans Herz legen, bietet diese doch kalorienarmen Lesegenuss und tolle Fotos rund um die Pasta. Heute ordern wir Tortelloni und Tortellini satt zum Mitnehmen.

Die Sonne scheint und wir schlendern über den Straßenmarkt, der hier immer samstags stattfindet. Eine nette Mischung aus Ständen mit Kleidung, Käse und Wurstspezialitäten, Obst und Gemüse, und zwischendurch ein tierisch leckerer Cappuccino auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus für geschmeidige 1,20 Euro. Unvermittelt bremst der Skipper seinen sonst recht zügigen „Schlendergang“ vor einem kleinen Stand mit Messern in der Auslage.

Besonderes Interesse weckt die mobile Profistation im Laderaum des Kleintransporters dahinter zum Messerschärfen mit den verschiedensten Schleifscheiben für den Nassschliff. Neugierig schauen wir dem Meister über die Schulter und plötzlich zückt der Skipper sein kleines, leider stumpf gewordenes Lieblingstaschenmesser. Mit einem Schmunzeln geht der Meister den Auftrag an, und aus dem schnöden Taschenmesser macht er ein Skalpell, noch ein bisschen hier und da geschliffen, zuletzt die Klinge von Hand abgezogen, zum Schluss ein Tröpfchen Öl fürs Gelenk. Perfekt!

Skippers Lieblingsmesser

Er gibt das gute Stück mit kritischem Blick zurück, denn auf der Klinge ist „Vendetta“ (Blutrache) eingraviert. „Ein Andenken aus Korsika“ erklärt der Skipper. Mit Handschlag und 2 Euro ist das Geschäft besiegelt. Nun aber ab nach Hause!

5 Comments

  1. Renate & Andy

    Heute wieder mal unter „sy-columbia“ geschaut und siehe da, euren ersten Blog im neuen Jahr gleich entdeckt! O Bella Italia – wie sollte man sonst kommentieren!!
    Lange kam kein Gruß mehr von der „Pforte des Schwarzwalds“, aber wir waren auch in 2019 dabei und sagen euch viele Dankeschöns für die interessanten Berichte und Fotos und freuen uns auf 2020 mit euch und euren so abwechslungsreichen Entdeckungen an Land und zu Meere! Alle guten Wünsche fürs neue Jahr!

  2. Franz Feil

    Hallo Rosita, hallo Bernd,

    schön zu hören dass Ihr wieder gut zu Hause angekommen seid.
    Den Zwischenstopp im Pastaparadies haben wir dank Eures Tipps auch eingelegt, und die Erinnerungen wurden mit Eurem Bolgeintrag wieder wachgerufen.
    Lecker, lecker.

    Weiterhin viel Vergnügen im schönen Bella Italia und meldet Euch wenn Ihr am schönen Fränkischen Seenland vorbei fahrt.

    Britta und Franz

  3. Sinja

    Danke für die schönen Weihnachtstage in der alten Heimat. Die neue Heimat scheint durchaus auch Vorteile zu bringen. Wenn ich mir die Nudelbilder anschaue, da bekomme ich direkt wieder Hunger. Falls ihr zufällig auch welche von den Rosa-Mädchen-Tortellinis an Bord habt – könntet ihr dann welche mitbringen? Die sehen „cool“ und lecker aus und müssen auf jeden Fall probiert werden.
    Pasta e Basta!!!!
    Grüße Jule und Sinja

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