Medicane und Mistral

Vor einem Jahr haben wir in Bajona den „Streifschuss“ des ehemaligen Orkans „Ophelia“ erlebt und darüber berichtet. Damals ist der Resthurrikan auf seinem Weg von den Cap Verden nach Norden an der Küste Spaniens entlanggezogen. Seitdem sind wir von extremen Wetterphänomenen weitestgehend verschont worden. Mit dem diesjährigen  Jahreszeitenwechsel von Sommer auf den Herbst wird es beim Wetter nun wieder spannend. Im Mittelmeer ist bei Sizilien ein „Medicane“ (Hurrikan im MM) mit Namen Sorbas entstanden, der mit Windstärke 10, 8-10m hohen Wellen und sintflutartigen Regenfällen in Richtung Griechenland und der Türkei zieht. Gleichzeitig sind stürmische Winde im Löwengolf (Mistral) vorhergesagt.

Starkwind durch Mistral nächste Woche ab Montag

Die Atmosphäre wird also gut durchmischt. Hier in Valencia dürften wir sicher sein, obwohl das Barometer beständig und schnell fällt, ist kein Regen vorhergesagt und der Himmel strahlend blau.

Unser Traumstrand vor dem Hafen

Wir rechnen in den nächsten Tagen jedoch mit deutlich mehr Wind und höheren Wellen aus Nordost. Um das Einrucken des Schiffes in die Vorleinen abzumildern, haben wir sogenannte Ruckfender aus 10mm Edelstahldraht angebracht, die die Schiffsbewegungen bei Wellengang am Steg abfedern. Bei der Bewährungsprobe Anfang dieser Woche haben wir dies als sehr angenehm empfunden.

Eine Starkwindlage hat die Schiffe und Schwimmstege ordentlich in Bewegung gebracht hat, es pfeift in den Takelagen und der Wellenbrecher mit seiner Promenade on Topp macht einen Höllenlärm, während Columbia in ihrem sicheren Hafeneckchen liegt. Bei einem Motor- und Antriebscheck haben wir festgestellt, dass das Bugstrahlruder und der Schiffspropeller nicht richtig arbeiten. Der Propeller des Bugstrahlers drehte sich nicht. Der Antriebspropeller baute keinen Zug oder Druck auf. Bei eingelegtem Gang auf Rückwärtsfahrt hat das Schiff keine Fahrt aufgenommen, obwohl sich der Propeller gedreht hat. Die Ruderpinne war sehr schwergängig, obwohl das Lager vom Skipper erst kürzlich gut geschmiert worden ist. Die Unterwasserinspektion führte zu einem eindeutigen Ergebnis, am Rumpf zeigten sich die Anfänge einer Riffbildung.

Starker Bewuchs mit Algen und Seepocken haben den Propeller vorn blockiert und am Hauptantrieb verhindert, dass sich Strömung aufbauen konnte, der Propeller hat sich nahezu wirkungslos gedreht. In diversen Tauchgängen haben wir Stück für Stück den Bewuchs abgekratzt, zusätzlich musste neben dem „Küchentool“ ein Metallspachtel für die besonders hartnäckigen Seepocken eingesetzt werden.

Nett ist zu sehen und zu hören wie unsere Arbeit von unzähligen Unterwasserheinzelmännchen unterstützt wird – ganze Fischschwärme knuspern Tag und Nacht am Rumpf entlang, die Knabbergeräusche sind im Schiff gut zu hören. Und siehe da: ein weiterer Probelauf ist überaus erfolgreich verlaufen – die Propeller drehen und Columbias Rumpf ist wieder glatt. Da das Wasser nun abkühlt (unter 30°), hoffen wir ohne neue Unterwasserpassagiere über den Winter zu kommen. 

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