Licata zum Kennenlernen

Wir haben Licata erreicht, unseren diesjährigen Überwinterungshafen an der Südküste Siziliens.  

Unsere neue Wahlheimat ist eine Kleinstadt mit knapp 40000 Einwohnern, eine „verschlafene“ Küstenstadt mit Charme und unser Ausgangsort für Ausflüge z.B. zum Ätna oder zu den berühmten Ausgrabungsstätten etc. Noch Meilen vorher melden wir uns telefonisch an, denn auf der Homepage des Hafens wird dringend auf die Einreisebedingungen verwiesen. Covid-19 rückt wieder näher ran, Siziliens Süden ist weitgehend Corona frei und soll es auch bleiben. So müssen wichtige Formulare der Gesundheitsbehörde noch auf See ausgefüllt und an drei verschiedene Behörden per Email gesandt werden, sonst darf man nicht in der Marina fest machen. Alles klappt gut, wir hatten die Papiere ja schon einmal in Palermo bearbeitet. ‚Wir freuen uns, sie bald kennenzulernen‘, kommt als Antwort vom Marina-Büro. Am Steg werden wir freundlich aufgenommen, der Check-Inn verläuft professionell und reibungslos. Das Marina-Gelände mit Restaurants und Schiffsausstatter ist sehr gepflegt, der Rasen ist grün, die Oleanderhecken geschnitten und die vielen Palmen unterstreichen das mediterrane Ambiente. Hier liegt nix rum, keine Schmuddelecken, Müll wird täglich, wenn auch nicht sortiert, abgefahren. Die Sanitäranlagen sind fast neu – welch eine Wohltat mal wieder ausgiebig zu duschen. Und – die Marina ist ausgebucht, von der internationalen Seglercommunity berichten wir ein anderes Mal. Praktischerweise schließt ein Einkaufszentrum mit großem Supermarkt direkt an das Hafengelände an. Der Obst- und Gemüsemarkt ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Der Hafen ist das Zentrum des kleinen Ortes und vermutlich der größte Steuerzahler, (wir haben seit Wochen tatsächlich eine Rechnung plus Quittung erhalten) und vermutlich der größte Arbeitgeber, neben der Marina liegt der Fischereihafen und das Werftgelände, wo man sein Boot „in Pflege“ geben kann, eigene Arbeiten am Boot sind hier jedoch weitgehend verboten.

Die Marina grenzt an die Altstadt und die ist „ganz modern“ weitestgehend verkehrsfrei, viele Straßen sind so schmal, dass kein Verkehr stattfinden kann. Es scheint, dass Handkontakt zum Nachbarn auf dem Balkon gegenüber möglich ist. Auffällig ist die hohe Dichte der Bars und Gelaterias, hier ist morgens bis etwa 13 Uhr Hochbetrieb, zum Frühstück wird der Caffe gern in Gesellschaft getrunken, ab 11 Uhr sieht man hier und da ein Glas Wein, Bier oder Aperitif. Das haben wir gleich ausprobiert und zum Aperol Sprizz ein paar Kleinigkeiten serviert bekommen – Mittagessen fällt dann aus.

Ein Highlight ist für uns der fast tägliche Gang zur kleinen Markhalle. Das Angebot ist überaus frisch und vielfältig, wir zählen 6 verschiedene Pfirsichsorten, ihr typischer Geruch lässt das Wasser im Mund zusammen-laufen. Auch „typisch deutsche“ Gemüse wie Porree, Blumenkohl, Mangold und Spinat sind im großen Angebot vorhanden. Von lokalen Erzeugern geliefert und so frisch, dass das Wasser aus der Schnittfläche tropft. Die kleinen Zitronen haben eine sattgrüne Schale und es bedarf eines zweiten Blickes um nicht aus Versehen Limetten zu kaufen, wenn man denn Zitronen will.

Also wiederum ganz anders als an der Amalfiküste. Die Attraktion der letzen Woche war jedoch die Ankündigung, dass man frische Steinpilze vorbestellen kann. Haben wir gemacht und daraus ein feines sizilianisches Pastagericht kreiert, wichtig ist dabei – es wird kein Parmesankäse drüber gestreut, sondern grobe Semmelbrösel aus frischem Brot, die in einem Löffel Olivenöl knusprig gebraten werden – echt crunchy. Überhaupt ist die sizilianische Küche in vieler Hinsicht anders und speziell. Sizilien ist seit dem Altertum besiedelt. Die Machtverhältnisse wechselten ständig, Griechen, Römer, Normannen und viele andere Völker, nicht zuletzt die Mauren herrschten hier. Die arabischen Spuren findet man in der Architektur, vor allem aber in der Küche. Selbstverständlich gibt es zu fast jeder Tageszeit Pasta aber nicht nur mit den bekannten Standardsoßen sondern mit Schwertfisch oder Sardinen und für uns ganz neu mit Auberginen, Pistazien, Mandeln, Pinienkernen und drüber besagte geröstete Brösel. In der „Nichtpasta Küche“ reicht man beim Hauptgang gerne Couscous (Afrika lässt grüßen), die Fisch- oder Fleischbeilage wird mit viel Gemüse zubereitet und mit Minze oder Mandeln oftmals auch mit Rosinen und fasst immer mit Kapern verfeinert. Es gibt also viel zu probieren und zu entdecken; wir werden uns in die Küchengeheimnisse sorgfältig und gewissenhaft einarbeiten. Die Gefahr, dabei Gewicht zu verlieren, besteht wohl nicht. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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