Italienische Karibik

Nach einem Segeltag vom Feinsten: Vollzeug, halber Wind, kleine Welle, 3-4 Bft legen wir in Nettuno an. Dem Starttermin 03.06.2020 haben wir nach 9 Monaten im Porto Turistico di Roma, davon 3 Monate Corona-Pause, ungeduldig entgegen gefiebert. Zuletzt hatten wir uns mit dem einen oder anderen Segler in der Marina bekannt gemacht und gute Empfehlungen für unsere nächsten Etappen bekommen. Jetzt wollen wir endlich selbst schauen, was dran ist an den Traumzielen der Italiener. Nettuno liegt als Zwischenstopp auf der Route, weil nach so langer Zeit bei uns erst wieder Seebeine wachsen müssen – also piano, piano Tagesetappen zum Eingewöhnen – Columbia indes beherrscht noch das komplette Repertoire, bis auf die eine oder andere Vertüdelung durch Menschenhand ist sie gut in Schuss und gleitet souverän durchs Meer.

In Nettuno haben wir erst mal die neue Freiheit genossen. Viele Restaurants und Geschäfte sind wieder geöffnet, wir schlendern, schauen und staunen, wie propper hier alles ist. Dagegen ist Ostia einfach nur ungepflegt und vernachlässigt. Man ist zwar bemüht, doch Slalomlaufen zwischen Hundehaufen, Müll in den Straßen, verdorrte Blumenbeete an der Strandpromenade bleiben uns deutlich in Erinnerung. Einzig die Menschen sind liebenswürdig und ertragen tapfer die Missstände der Obrigkeit. Nun also wandelt sich unser Italienbild nur wenige Kilometer vom Moloch Rom entfernt zurück zum Guten. In der Marina werden wir als die ersten ausländischen Gäste sogar mit einer Flasche Wein verwöhnt, das haben wir noch nie erlebt! Wegen steifem Wind und hohen Wellen bleiben wir nicht ungern ein paar Tage länger.

Als wir dann den Kurs nach Ponza setzen, ist das Seglerglück komplett, wieder wunderschönes Segeln, diesmal mit etwas ruppigerer See. Nach 40 Seemeilen erreichen wir die Durchfahrt zwischen Riffen im Norden der Insel, leider ist es stark bewölkt und eine giftige Böe zwingt den Skipper zum kräftigen Griff an der Pinne. Auf der Leeseite sind Wind und Wellen wie abgestellt. Sieht gut aus – da erreicht uns der Funkruf unserer Freunde von der Unisax, die etwas Vorsprung hatten: die Maschine läuft nicht – kein Kühlwasser.

Sie schleichen mit gerefftem Groß an der Küste entlang. Columbia geht längsseits und wird mit Unisax vertäut, gemeinsam fahren die Skipper das Ankermanöver in einer einsamen Bucht mit viel Platz – alles noch mal gut gegangen. Nach dem Anlegeschluck kommt der erleichterte Funkruf – Maschine wieder OK – der Impeller, ein Verschleißteil der Seewasserpumpe war defekt und musste getauscht werden. Wir liegen vor einer beeindruckenden Felsenkulisse, der Westwind fegt über uns hinweg und heult im Rigg. Am nächsten Morgen verlegen wir die Boote näher zum kleinen Fischerort der Insel und sind begeistert.

Steinbögen, Grotten, Inselchen, kleinen Sandstrände, grüne Hänge und verschiedenfarbige Felsformationen bieten richtig was fürs Auge. Besonders beeindruckend ist jedoch das Fehlen der Touristenmengen. Wir haben Bilder mit Hunderten von Yachten an dieser Küste gesehen, jetzt sind gerade mal 4 – 10 Boote um uns herum. Trotzdem machen die Carabineri ihre Arbeit, ein Polizeiboot kommt längsseits und kontrolliert die Papiere, das vermittelt bei uns ein Gefühl der Sicherheit – sie kümmern sich. Bald sind wir neugierig den pittoresken Hauptort, der in Sichtweite liegt, zu erkunden. Bevor wir jedoch unsere Beiboote aufbauen, wollen wir auf Empfehlung in Revierberichten anderer Segler ein Wassertaxi bestellen – easy haben wir gedacht. Doch vier Telefonate mit diversen Anbietern bleiben negativ, der Ort scheint noch im Corona-Schlaf zu liegen. Also machen wir Fürchtenix II klar.

Noch schnell den Motor dran, unser treuer Yamaha aus den Siebzigern, und dann kann es losgehen. Doch der macht Zicken – hat wohl Corona und der Skipper tobt. Jetzt bewährt es sich, in Flottille zu segeln, wir rudern zu Ewa und Anders und dort wird der Suzuki montiert – dem gemeinsamen Landgang steht jetzt nichts mehr im Weg, dachten wir. Wir sind auf halber Strecke – blaugrünes Wasser über hellem Sandgrund – wir bestaunen die unglaublich schöne Umgebung – da streikt auch der Suzuki – wohl aus Solidarität. Der Ausflug endet erstmal rudernd zurück Richtung Columbia mit einem tröstenden Anlegeschluck und einer leckeren Pasta-Orgie – Nudeln machen schließlich glücklich – zumindest den Skipper und morgen ist ein neuer Tag im Paradies. Anders kennt seinen Suzuki und repariert ihn erfolgreich.

Der Landgang wird am nächsten Tag nachgeholt. Das kleine Hafenbecken, in dem man in der Hauptsaison ohne Vorbuchung und ganz dickem Portemonnaie keinen Platz bekommt, ist quasi leer. Lediglich die Bootsvermieter und Fischerboote sowie die Fähren zum Festland beleben das Bild. Wir stromern durch die engen Gassen. Auf der Suche nach der Grotto di Pilato, einem Fischreservoir aus römischer Antike, verlaufen wir uns auf den Friedhof und bewundern die prächtigen Grabmähler, beim Cappuccino auf der Terrasse am Fischerei-Hafen schmunzeln wir über die kleine knatternde Ape, die immer wieder mit den unterschiedlichsten Transportaufträgen an uns vorbei knattert, echte Postkartenidylle.

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