Aufbruch mit Hindernissen

So langsam wird es warm und wir sehnen uns nach einsamen Ankerbuchten und blaugrünem Wasser zum Schwimmen und Schnorcheln. Jedoch das Loskommen ist gar nicht so einfach. In Almerimar befindet sich ein TO Stützpunkt (www.trans-ocean.org).

Trans-Ocean-Stützpunkt

Da wir Mitglied sind schauen wir auch dort mal vorbei. Alex und Udo machen dort einen sehr guten Job, es ist immer Zeit für einen Schnack, dabei wandern viele Lokaltipps und Hilfsangebote über die Theke (um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, betreiben sie einen florierenden Waschsalon, der bei Einheimischen und Reisenden auch als Nachrichtenbörse gleichermaßen beliebt ist). Dabei wird der Skipper auf eine Reinke S 10 aus Stahl aufmerksam, die im angrenzenden Hafenbecken liegt. Diese sticht auf Grund ihres Pflegezustands aus der Masse der anderen Schiffe heraus. Schon werden wir vom netten Schweizer Eignerpaar Erich und Toni zu einer Besichtigung eingeladen. Selten hat uns ein fremdes Schiff auf Anhieb so beeindruckt, mit ganz vielen liebevollen Detaillösungen. Erich war Berufsschweißer in der Chemieindustrie mit allen Lizenzen und Qualifikationen. Er hat das Schiff selbst gebaut und seine beruflichen Kenntnisse sieht man allenthalben. Ihr Schiff steht nun zum Verkauf, da Erich mit 84 Jahren kräftemäßig haushalten muss. Die letzten drei Jahre haben sie auf dem Boot gewohnt und bis auf Tagestörns das Schiff nicht mehr bewegt. Rost ist auf dem Boot unbekannt und selbst Anhänger des Baustoffs Aluminium könnten bei diesem Stahlschiff eine Ausnahme machen. Interessenten finden Details im Internet unter www.eriton.ch Nach einem herzlichen Gegenbesuch am Sonntag, denn Erich ist neugierig auf unsere Reinke S 11, quasi der größeren Schwester, wollen wir am folgenden Tag nun wirklich ablegen. Montag hat Aeolus, der Gott des Windes überraschend einen freien Tag. Die Sonne steht senkrecht am blauen Himmel, die Luft brennt und steht, alles giert nach Schatten und kühlen Getränken – also Dienstag, dann geht es aber ab.

Morgens um 9 ist alles für die Abreise klar, Zündschlüssel rein, diverse Hauptschalter der einzelnen Stromkreise umgelegt und nichts…. kein Strom auf dem Stromkreis für den Bugstrahler und die Ankerwinsch. Das kann doch nicht wahr sein. Also Motorraum auf – Werkzeug raus – die Fehlersuche beginnt. Dabei ist der komplizierteste unserer Stromkreise betroffen. Die 12 Volt Ankerwinsch teilt sich die Zuleitung mit dem 24 Volt Bugstrahler. Ein automatischer 12/24 Volt Umschalter macht es möglich. Dadurch haben wir uns bei der späteren Nachrüstung des Bugstrahlers die daumendicken Zuleitungen gespart, denn die beiden Großverbraucher teilen sich nun eine Zuleitung für den benötigten Strom, können jedoch niemals zusammen eingeschaltet werden. Diese Konstruktion funktionierte bislang fehlerfrei und zuverlässig.

Nach 2 Stunden sind sämtliche verdächtigen Korrosionsstellen beseitigt (immerhin hat sich das Salzwasser bei unserem Wassereinbruch fast überall hin verteilt und wirkt immer noch nach), kräftig WD 40 und Polfett verteilt, diverse Sicherungen getauscht …nix. So langsam macht sich Verzweiflung breit, erst mal ‘nen Kaffee trinken, verschiedene Schaltpläne raussuchen und eine SMS an Schrauber Frank geschickt – heißt warten – auf den Schrauber, ein Wunder oder auf eine zündende Idee! Um 12 Uhr betätigt die Skipperin nochmal besagten Schalter und siehe da, die Kontrollleuchte tut, was sie soll, leuchten. Hip Hip …Wir müssen wohl Kriechstrom in den Leitungen haben, das dauert einfach, bis der ankommt. Nicht  nur die Kontrollleuchte, auch die Verbraucher funktionieren als sei nichts gewesen. Zum Ablegen ist es jedoch zu spät, die geplante Strecke ums Cabo da Gata würden wir nicht mehr bis zur Dämmerung schaffen. Zum Trost gehen wir abends zum spanischen Italiener, Fußball gucken. Morgen ist ein neuer Tag im Paradies.

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