Schluss mit lustig

Gestern haben wir berichtet, dass wir uns auf das Eintreffen des Ex-Hurrikans Ofelia vorbereiten. Im Nachhinein betrachtet war der Durchzug des Windfeldes für uns das kleinste, für die Region jedoch ein ganz großes Problem.

Wärme vor dem Sturm

Das Orkantief war ein sogenannter Schnellläufer, der heute bereits vor Irland liegt. Die Windböen hier waren kurz und heftig aber für Schiffe im Hafen nicht gefährlich. Gefahr drohte plötzlich durch Feuer. Warum wissen wir nicht, aber plötzlich stand der bewaldete Hügel über der Stadt mit der Wohnbebauung in Flammen.

Das Feuer ist durch den eintreffenden Sturm immer weiter angefacht worden und schnell außer Kontrolle geraten. Vermutlich durch den Funkenflug sind dann in den Wäldern um die Bucht herum viele neue Brände entstanden. Die Luft war zum Schneiden dick und stank erbärmlich. Zwei Löschflugzeuge haben alles gegeben, aber bei Einbruch der Dunkelheit mussten sie ihre Löschversuche einstellen.

Was wir an Feuerwehrfahrzeugen im Einsatz gesehen haben, war Not und Elend und wir haben die Daumen gedrückt, dass sie es noch einmal den Berg hinauf schaffen. Ob hier der letzte mobile Rest im Einsatz war, wissen wir natürlich nicht, denn es hat an über 80 Stellen im Land gebrannt. Hätten wir eine Sammelbüchse für die Neuanschaffung von modernem Rettungsgerät und Fahrzeugen gesehen, hätten wir kräftig gespendet. Wir wissen nicht, wie der Rettungsdienst hier organisiert ist, er ist aber erkennbar unterfinanziert. So aber so geht es eigentlich nicht mehr. Es gibt europäische Normen für die Größe von Gartenzwergen und so sollte es auch im Rettungswesen verbindliche und einheitliche Standards bezüglich der Ausstattung und Finanzierung geben. Die Feuerwehrleute, die wir sahen, haben bis zur Erschöpfung gekämpft, daneben haben viele Menschen mit Gartenschläuchen versucht zu retten, was vielleicht nicht mehr zu retten war. Glücklicherweise hat es in der Nacht angefangen zu regnen, so dass offene Feuer nicht mehr zu sehen sind, doch es qualmt stark an allen Ecken und Enden und stinkt. Wir sind durch die Ereignisse, die wir so hautnah miterlebt haben, stark betroffen. Diese Szenen kannten wir bisher nur aus dem Fernsehen.

2 Comments

  1. Jürgen Reers

    Hallo ihr Beiden,

    für mich auch vollkommen unvorstellbar, was im Fernsehen gezeigt wird und Ihr erlebt es hautnah.
    Beruhigend, dass für Euch und euer Boot keine Gefahr bestand. Wenn ich im (B)Logbuch blättere, beneide ich Euch sehr!!! Aber ihr habt schließlich ein Leben lang dafür gearbeitet und sicherlich sehr lange davon geträumt.

    Hier läuft der normale Wahnsinn!!! Tolle Sprechstunden))) und jetzt die Vorbereitungen auf den Martinimarkt.

    Alles erdenklich Gute und bleibt gesund.

    Lieben Gruß
    Jürgen

    1. Bernhard

      Hallo Jürgen, Danke für deine mail und Sorge um uns, wir haben uns sehr über deine Zusendung gefreut. Es war ein Beispiel dafür, wie nah Himmel und Hölle beieinander liegen. Wir hatten am Vortag alle Festmacher verdoppelt oder gegen stärkere ausgetauscht und noch zusätzliche Leinen angebracht. Columbia lag wie die Spinne im Netz, sicher nach allen Seiten. Als dann vor dem Hafen der Brand ausbrach und durch den Funkenflug ringsum die Wälder der Bucht in Feuer aufgingen, wurde es langsam eng. Selbst wenn wir in einer Art Notmanöver einen Alarmstart hingelegt hätten, wohin hätten wir fahren können, da vor der Bucht ein Hurrikan tobte? Der sichere Hafen war zur Mausefalle geworden. Sind dann unter Deck gegangen und haben alle Luken, Fenster und Lüfter verschlossen, um den Smog nicht einzuatmen. Brauche ich dir ja nicht zu erzählen, dass bei Bränden Schadstoffe aufsteigen und keine Vitamindämpfe. So eine Nacht brauchen wir nicht noch mal. Wir hatten -im Gegensatz zu vielen anderen- Glück und am anderen Tag lediglich ein schwarzes Schiff mit Rußflocken und versuchen seitdem es wieder sauber zu kriegen.
      Die Sprechstunden und der Martinimarkt sind sind für mich schon so weit weg, klingt wie aus einer anderen Welt. Ich würde mich freuen wenn du mich teilhaben lässt und ab und an berichtest, was so abgeht. Das würde ich dann natürlich nicht veröffentlichen.
      Lieben Gruß zurück und Gruß an die Recken
      Bernd und Rosita

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