Columbia im Dock

Nach der Starkwindpause fahren wir unter Maschine bei zunächst schwachem Wind von Motril Richtung Almerimar. (Zuvor hat der Skipper den freien Sitz des Schwimmerschalters der automatischen Bilgenpumpe überprüft – sicher ist sicher. Unsere Sinne sind nach dem Wassereinbruch besonders geschärft.) Am Nachmittag frischt der Wind auf und wir setzen die Genua, Columbia rauscht durch die Wellen. Ein ungewöhnliches Geräusch mischt sich darunter  – hörst du das auch? Haben wir uns eine Fischerboje eingefangen, die am Rumpf entlang schleift – mach’ mich nicht schwach! Streng ringsum ins Wasser geschaut – alles OK – das extra Rauschen bleibt.  Wir orten es an der Backbordseite des Rumpfes – die Bilgenpumpe ist angesprungen – was für ein Sch…, d.h. erneut dringt Wasser ins Schiff und wieder durch die Stopfbuchse. Die eingespielte Crew weiß, was zu tun ist – schöpfen und pumpen, diesmal etwas weniger – da die Bilgenpumpe rechtzeitig angesprungen ist. Um den Motor und damit die Dichtung möglichst nicht zu beanspruchen, segeln wir schulmäßig bis in die Hafeneinfahrt, der Motor wird ja nur beim  Anlegen in der Box gebraucht. Nun ist Schluss mit Lustig und Basteln, wir müssen dem Schaden auf den Grund gehen. Schnell ist ein Krantermin vereinbart.

Nur zwei Tage später wird Columbia an Land gehoben und auf dem Werftgelände abgestellt. Vorteilhaft ist, dass hier ein Kransystem zum Einsatz kommt, mit dem das Schiff mit stehendem Mast angehoben werden kann. In unserem Heimathafen war das nicht möglich, da mussten erst alle Segel, Leinen und Schoten abgeschlagen und der Mast gezogen werden, Arbeit für mindestens zwei Tage. Die Transportcrew der Werft ist ein eingespieltes Team, alles läuft routiniert und stressfrei ab. Nach telefonischer Kontaktaufnahme erscheint am nächsten Tag „Frank“, der uns von der Marinaverwaltung als Fachmann empfohlen worden ist, zur Schadensanalyse. Frank ist Deutscher, was die Kommunikation total vereinfacht und hat sich hier in Almerimar niedergelassen. Er geht anhand der Baupläne, die wir glücklicherweise im Original dabei haben, methodisch vor; nach der Demontage der Stopfbuchse und der Kupplung zur Wellenaufnahme wird der komplette Schadensumfang sichtbar. Die Welle samt Propeller wird herausgezogen. 

Die teildemontierte Stopfbuchse

Die von uns verdächtigte Stopfbuchse erweist sich wider Erwarten als unschuldig, der Schaden ist tiefergehend. Das Wellenlager direkt hinter der Stopfbuchse ist, warum auch immer, aus seinem Platz auf der Welle in Richtung Stopfbuchse „gewandert“. Dabei wird der Kühlwasserzufluss zur wassergekühlten Stopfbuchse blockiert, was eine Überhitzung und Verkohlung der Wellenpackung (fettgetränkte Schnüre aus Baumwolle) zur Folge hat. Das Wellenlager, innen aus Gummi und außen aus Kunstharz, verklebt sich durch die Hitze im Stevenrohr selbständig neu und kann nur mit Franks „Trick 17“ und massiver Gewaltanwendung ausgebaut werden.

Die Neuteile sind bestellt oder werden hier extra für uns angefertigt und wir sind zuversichtlich, dass wir Mittwoch wieder ins Wasser können. Zwischendurch haben wir Columbia einer Rumpfinspektion unterzogen, die Opferanoden überprüft und schadhafte Stellen im  Antifouling ausgebessert.

 Mittlerweile brennt die Sonne den ganzen Tag vom wolkenlosen Himmel, so dass wir beim Arbeiten nicht frieren müssen, glücklicherweise weht ein laues Lüftchen.  Auf dem Werftgelände läßt sich die Wartezeit aushalten, man darf auf dem Schiff wohnen, WiFi, Strom- und Wasseranschluss, sowie Toiletten und Duschen sind vorhanden, der Badestrand ist 500m entfernt.

3 Comments

  1. Thomas & Christine

    Wir fühlen mit Euch und hoffen, dass ihr das wandernde Wellenlager in den Griff bekommt. Von so einem Problem hatten wir bisher noch nie etwas gehört…
    Auf jeden Fall drücken wir alle Daumen für eine schnelle Rückkehr ins Wasser und gute Weiterreise…
    Grüße von der SY Danja

    1. sy-columbia

      Danke fürs Daumendrücken,
      Die bestellten Neuteile wurden mittlerweile geliefert und werden morgen eingebaut. Wir sind ganz optimistisch. Unser Rat für euch ist, nehmt die Baupläne zumindest in Kopie mit, ohne diese wäre es ein Rätselraten geworden, zumal man einige Maße im Stevenrohr nur schwer messen kann. Wir werden auf die Stopfbuchse alter Art nicht schimpfen, denn sie hat das ganze Schiffsleben bis hierher ohne Probleme durch- und dichtgehalten und ist nun im Alter eben inkontinent geworden, liegt wohl in der Natur der Sache.
      Herzlichen Gruß zurück

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