Buon Natale a Sicilia

Im letzen Jahr haben wir die Weihnachtszeit in Rom erlebt, besonders der Petersplatz im Lichterglanz hat uns nachhaltig beeindruckt. Der anschließende Heimatbesuch und die Festtage zusammen mit der Familie haben uns vollends glücklich gemacht.

Wie ihr, liebe Leser, werden wir wohl in diesem Jahr in Erinnerungen schwelgen und für viele wird es wohl eine einsame Angelegenheit werden. Zum ersten Mal werden wir das Weihnachtsfest fern der Heimat verbringen. Wir haben uns damit abgefunden und machen das Beste daraus. Immerhin sind wir da, wohin viele Menschen in den Weihnachtsferien gern flüchten würden.

Das Wetter ist frühlingshaft, meist scheint die Sonne. Nur die Weinreben und einige wenige Bäume werfen ihr Laub ab. Palmen, gigantische Gummibäume und der Benjamin Ficus im Riesenformat sind immergrün, viele Büsche blühen fleißig das ganze Jahr über. Kakteen groß wie Häuser lassen ahnen, wie nah wir an Afrika sind. Von dort bläst es ab und zu recht stürmisch und pudert Columbia mit rosa Wüstensand ein. Die Wassertemperatur hat inzwischen Ostsee-Sommerniveau, da müssen wir nicht unbedingt schwimmen gehen, doch als „Fußbodenheizung“ unterm Rumpf ist sie ganz nützlich. Tagsüber sind wir mehr oder weniger draußen, nur wenn die Sonne untergeht, empfinden wir 12° als bitterkalt und starten die Schiffsheizung. Da hat man dann auch Lust auf Wintergerichte wie Grünkohl oder Sauerkraut mit Knödel und Kasseler.

Überhaupt spielt in diesen Tagen das Thema Essen ein Hauptrolle. Wir nehmen uns alle Zeit der Welt um gut zu kochen. Diverse Supermärkte bieten fast alles, was das Herz begehrt. Dazu liefern die lokalen Obst- und Gemüsebauern eine große Vielfalt frisch vom Feld und fast durchgängig in Bio-Qualität.

Orangen gibt es kistenweise für kleines Geld, guter Wein wird lose, also in der Plastikflasche, vom Erzeuger angeboten. Wir haben uns mit frisch gepresstem Olivenöl verproviantiert. Fisch wird an jeder Straßenecke mehr oder weniger hygienisch frisch direkt von der Ape-Ladefläche verkauft. Überhaupt, die Zahl der vielen kleinen Straßenhändler macht deutlich, wie weit Rom entfernt ist. Ganze Familien leben vom Verkauf von der „Hand in den Mund“. Eine Kasse sucht man bei ihnen und auch sonst oft vergeblich, Bonpflicht für den kleinsten Verkauf – hier einfach lächerlich. Das eingenommene Geld wird in eine Holzkiste geworfen oder verschwindet in einer Gürteltasche.

Die Ape wird immer wieder zusammengeflickt und muss durchhalten. Wir sehen, nicht nur in der zweiten oder dritten Häuserreihe, echte Armut. Ganze Straßenzüge bröckeln vor sich hin, auf eine finanzielle Unterstützung vom Staat hofft hier keiner mehr. Trotzdem geht das Leben irgendwie weiter.

Morgens bis Punkt eins sind die Straßen verstopft, der Sizilianer fährt gern Auto. Dabei ist der Verkehrsfluss so langsam, dass trotz chaotischer Fahrweise nichts passiert, im Zweifelsfall wird ausgiebig gehupt und dann rollt es irgendwie weiter. Für die Polizei kein Grund zur Beunruhigung. Lässig überblicken sie den Verkehr und freuen sich über den Idealzustand. Denn wo alles steht, kann auch nichts passieren. Sehr auffällig rollt auch mal ein dicker Audi oder Mercedes vorbei, die Herren „der ehrenwerten Gesellschaft“ sind mittendrin. Andererseits lesen wir fast täglich in den Lokalnachrichten, dass wieder mal der eine oder andere Familienclan in eine staatliche „Wohnanlage“ (bei freier Kost und Logis) umziehen musste und ihre Reichtümer nun dem Staat gehören. Die Guardia di Finanza ist sehr aktiv und macht einen echt guten Job. Interessant im Gegensatz zum deutschen Recht ist, das hier in der Presse besagte Familienmitglieder mit kompletten Namen und aktuellem Foto abgebildet werden. (Italienische Lokalnachrichten www.lasicilia.it – mit der Pons-App übersetzen) In den letzten Wochen im Lockdown „Orange“ ist das Herumlaufen /- fahren nur im eigenen Wohnort erlaubt, Restaurants, Bars (heißt hier jede Kaffeebude) wo der Italiener sein erstes Frühstück (Colazione) einnimmt, (Fingerhut große Tasse mit Espresso und ein Cornetto/Croissant mit süßer Füllung) sind geschlossen bzw. dürfen nur außer Haus verkaufen, von 22 Uhr bis 5 Uhr ist Ausgangssperre und besonders bitter für uns: Museen und Ausstellungen sind geschlossen, das heißt die Ausflüge zu den zahlreichen archäologischen Stätten Siziliens fallen erstmal aus. Also wird der tägliche Gang in die Stadt immer wieder zur Entdeckungstour. Die Adventszeit setzt ja in jeder Region ihre besonderen Akzente. Hier haben wir lange darauf gewartet, mal ein bißchen Weihnachts-Deko zu sehen.

Erst in der letzten Woche ist die festliche Gestaltung der Straßen hochgefahren worden, auf den etwas größeren Plätzen wird nun auch über Außenlautsprecher das Volk mit Weihnachtsmusik bedudelt. Mit dem Wechsel Siziliens in die „Gelbe Zone“ Anfang Dezember dürfen wir uns nun überregional auf der Insel bewegen. Zusammen mit Ewa und Anders haben wir mal wieder ein Auto gemietet um etwas Abwechslung zu haben, frei nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“. Doch wohin fahren wir? Die Museen sind zu, auch die Freiluftgelände, rauf auf den Ätna?, doch da hat es gerade frisch geschneit, mit Sommerreifen kommen wir nicht bis zur Seilbahnstation. Auch hätten wir für die strammen Minustemperaturen in 3000m Höhe bei einer geschlossenen Schneedecke keine passende Kleidung. Die kann hier auch nicht gekauft, sondern müsste bestellt werden. In den Schuhläden hört es bei den Herrengrößen bei 42 auf. Oberbekleidung und Anzüge erinnern den Skipper von den Größen her an seinen Kommunionanzug.

Da Ewa und Anders gern schwedische Spezialitäten bunkern und andere Kleinigkeiten kaufen möchten, war plötzlich Ikea in der Nähe von Catania das Ziel und Ort der Begierde. So ergibt sich überraschend die Möglichkeit für ein neues kleines Abenteuer und für uns mal wieder ein IKEA Besuch nach ca. 35 Jahren. Schlappe 3 Stunden mit dem Leihwagen hin – Sightseeing vom Feinsten – . Möbelhausbesichtigung mit Kötbullar-Essen – 3 Stunden zurück mit Blick auf den Ätna. Eine Überlandfahrt abseits der Hauptstraßen können wir jedem Sizilienbesucher nur empfehlen, denn sie führt durch eine andere völlig fremde Welt. Wir fühlen uns an unsere Tour nach Tanger/Marokko erinnert. Obwohl wir streckenweise im Schritttempo fahren müssen, vergeht die Reisezeit wie im Flug und mehrfach sitzt man im Auto wie ein Kind und drückt sich die Nase an der Scheibe platt, weil man nicht glauben kann, was man sieht. Beim Autofahren fühlen wir uns zunehmend sicher und mehr und mehr angekommen in Sizilien. Die Straßenverkehrsregeln sind überaus einfach, denn es gibt schlichtweg keine. Man darf nur nicht bremsen, denn sonst kommt der ganze Verkehrsfluss ins Stocken und  die Huperei geht los und das solange bis der Verkehr wieder anläuft. Apropos Ätna; seine Besichtigung muss doch nun noch länger warten, er ist am 3. Advent ausgebrochen und spuckt seitdem Lava!

Liebe Leser, auch wenn wir alle das Weihnachtsfest in diesem Jahr ganz anders gestalten werden, wünschen wir euch trotzdem besinnliche Stunden und wundervolle Begegnungen mit netten Menschen. Bleibt optimistisch und gesund! 

One Comment

  1. Sinja

    Es freut mich zu hören, dass ihr trotz aller Widrigkeiten positiv gestimmt seid!! Wir alle können die Situation nicht ändern, aber versuchen das Beste draus zu machen: sei es die heimischen Restaurants mit dem Abholservice sämtlicher Speisen (auch klassische Menüs mit Rouladen, Klößen und Rotkohl) zu unterstützen oder bei Euch mit nem Kaffee to Go, frischen Fisch direkt von der Ape dem Sizilianer zu helfen. Und trotz allem das anstehende Weihnachtsfest nicht zu vergessen – nur das es eben völlig anders verlaufen wird. Da weiß man die guten Traditionen wieder zu schätzen. Schlimmer kann es nicht werden und somit geht es ab jetzt immer aufwärts. Ich wünsche Euch fröhliche deutsch-schwedische Weihnachten! Wir denken an Euch und werden das schlechte Jahr Silvester mit ner Rakete in den Himmel schießen! Das neue Jahr kann nur besser werden. Dann können wir uns hoffentlich bald wieder sehen! Bis dahin bleibt gesund und behaltet Euren Optimismus!!

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